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Chorsänger in der Stadt Český Krumlov

Die Chorsänger bei der Kirche St. Veit wurden von einem Kantor oder Schulmeister geführt. Täglich sangen sie bei der Morgenmesse und nachmittags bei der Vesper, weiter dann bei Begräbnissen und Seelenmessen. Der vorwiegende Teil ihres Repertoires wurde vom lateinischen Choral gebildet, sie sangen jedoch auch die damalige Polyphonie, am Ende des 16. Jahrhunderts sogar jeden Tag.

Zeitgenössische Szene, Flötenspieler und Lautenspielerin, 1543 Zu ihrem Repertoire gehörte anscheinend ein Teil der mehrstimmigen Musik aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sowie auch ganz sicher eine mehrstimmige Musik zur Vesper beinhaltende Handschrift aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Es geht um eine unikate Quelle des mitteleuropäischen und einheimischen Schaffens der Rudolfinischen Zeit. Sie beinhaltet eine polyphonische Verarbeitung von Hymnen, Psalmen und ein Magnificat. Von den Künstlern erwähnen wir Thomas Stoltzer, Ludwig Senfl, Christobal Morales, Orlando di Lasso, Jacob Vaet, Komponisten aus der Prager Kapelle des Kaisers Rudolf II. Franz Sale und Jacob de Kerle sowie Jan Simonides Montanus aus Kutná Hora.

Das Liederbuch gehörte der Literatenbruderschaft. Die Chorsänger gingen wahrscheinlich mit den wertvollen Handschriften nicht besonders gut um, und so beschwerten sich die Literaten bei der Obrigkeit, daß "es zu befürchten ist, daß durch Unachtsamkeit einiger Kantoren manche Offizien aus den Kantionalen verloren gehen oder zerrissen werden". Im 16. Jahrhundert hatte der Chor in der Regel 12 bis 14 Mitglieder und wurde zu einem unentbehrlichen Bestandteil des Lebens in der Stadt. Ohne die Chorsänger fand kein städtisches Fest statt, sie sangen regelmäßig dem Bürgermeister und den Ratsherren auf dem Rathaus, es war möglich, sie zu bestellen, daß sie vor einem Haus eine Motette sangen. Es kostete 30 Meißner Groschen.

(mho)

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Geschichte der Musik in der Stadt Český Krumlov