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Historische Entwicklung der Krumauer Gärten und Parks unter der Regierung der Fürsten von Eggenberg in den Jahren 1622 - 1719 (Manierismus und Antritt des Barock)

Etwa vom Jahre 1618 bis zur Wende der vierziger und fünfziger Jahre des 17. Jahrhunderts waren die Gärten über dem Schloss wahrscheinlich nicht ordentlich bestellt und gepflegt. Sie lagen nämlich knapp vor den neuen Befestigungswällen, bei deren Bau man sie offenbar beschädigte oder vernichtete. Die hiesigen drei Herrengärten wurden während des Dreißigjährigen Krieges spürbar beschädigt. Einen Mangel an Pflege belegt eine Angabe aus dem Jahre 1641, als die Umzäunung von der Seite zur Vltava repariert wurde. Das aus dem Jahre 1555 stammende Lusthaus überlebte zweifellos die Kriegsqualen, denn es wird noch vom Jesuite Bohuslav Balbín während seines Krumauer Aufenthaltes in den Jahren 1664 - 1666 als "italico opere" und "perelegans" bewundert. Von dieser Charakteristik des Lustschösschens ist mit gewissem Maße Vorsicht zu schließen, dass es schön und im Renaissancestil erbaut war.

Plan von Český Krumlov, kolorierte Zeichnung ca. 1700, Staatliches regionales Archiv Třeboň, Filiale Český Krumlov.

Die unruhige Zeit des Dreißigjährigen Krieges warf die Stadt Český Krumlov in einen langwierigen wirtschaftlichen Verfall, der bereits nach dem Jahre 1601 gestartet wurde, als der Hof Peter Woks von Rosenberg die Schlossresidenz verließ. Die ersten Zeichen einer Belebung und Fortsetzung der bauhistorischen Entwicklung der Stadt erscheinen erst fünfundzwanzig Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und sind mit Aktivitäten der Krumauer Jesuiten verbunden. Nach dem Bau des Seminars St. Josef, das in den Jahren 1650 - 1652 gebaut wurde, schritten sie zum Bau einer regulären Sommerresidenz (1662). Der schön gebaute vierflüglige Sitz (Nr. 55) war von Anfang an mit einem Ziergarten ergänzt. Das mit Mauern umgebene Areal wurde seit dem Jahre 1663 mit neu gebauten Dämmen vor Hochwassern geschützt.

Eine grundsätzliche Veränderung im Komplex der Krumauer Herrengärten brachte erst der Anfang der Regierung des Fürsten Johann Christian von Eggenberg (1641 - 1710) im Jahre 1664. Der alte rosenbergische Speicher Latrán Nr. 33 wurde zu einem Ballhaus umgebaut. Im Jahre 1666 heiratete der Fürst Maria Ernestine von Schwarzenberg (1649 - 1719 ). Obwohl sie in den ersten Jahren vorwiegend in Wien lebten, ließ die Fürstin im Jahre 1668 im Neustädter Garten eine Kunsthöhle - Grotte bauen. Am Anfang der 70er Jahre begann das fürstliche Ehepaar sich immer mehr im Schloss in Český Krumlov aufzuhalten, das sie seit dem Jahre 1673 umbauten. Im Jahre 1678 begannen sie die Absicht der Gründung eines neuen Hofgartens auf der Anhöhe westlich vom Schloss - zum Teil auf dem Gebiet des ehemaligen rosenbergischen Gartens - zu verwirklichen. Für bestimmte Zeit wurden beide Gärten als Hofgärten (im Sinne Ziergarten) gleichzeitig genutzt. Damit, wie der neue Hofgarten über dem Schloss fertig gebaut wurde, hörte sein Vorgänger, der Neustädter Garten auf, als Hofgarten genutzt zu werden, sondern er wurde zum Küchengarten, der zum Gemüse- und Obstanbau für den Fürstenhof diente.

Plan des Schlossgartens aus der Zeit um 1710, Staatliches Gebietsarchiv Der neue Hofgarten (d.h. der heutige Schlossgarten) stellt in seiner ersten Entwicklungsphase vom Jahre 1678 bis zum Bau des Lustschlösschens (im Jahre 1690) einen unter dem Einfluss des in dieser Zeit in Mitteleuropa ausklingenden Manierismus entstandenen Garten dar. Das Konzept der Gründung des Gartens (Autor war wahrscheinlich Jakub de Maggi) ) ist ein Beispiel einer sehr wertvollen, gedanklich und kompositionell geschlossenen Gartendisposition. Für Inspirationsquellen sind italienische manieristische Gärten und auch niederländische Gärten zu halten, die im böhmischen Milieu bereits unter der Regierung Rudolfs II. z. B. von Vredeman de Vries vermittelt wurden. Interessant ist die Tatsache, dass die bislang reine manieristische Disposition sehr kurz nach der Gründung des Gartens durch die Eingliederung des elements des Luschschlösschens geändert wurde. Seine exzentrische Unterbringung im Organismus des Gartens und die Bildung einer neuen architektonischen Achse mit der Bindung an die Landschaft können für einen Beweis des Antritts der barocken Auffassung des Gartenraums in den Krumauer Gärten gehalten werden. Nichtsdestoweniger das grundlegende kompositionelle Schema des Krumauer Schlossgartens blieb dank seiner einfachen geometrischen Zusammensetzung im Prinzip unverändert.

Die aus der Zeit zwischen 1665 bis 1670 stammende Vedute der Stadt in der Ansicht vom Süden erfasst nicht nur die historische Bebauung der Stadt, sondern sie bietet auch interessante Informationen über das Ausmaß und die Gestalt der Krumauer Gärten. Die Vedute ist eine wichtige Quelle vor allem für die Erkenntnis der Entwicklung der urbanistischen Struktur der III. Krümmung der Vltava. Sie dokumentiert zwar auf eine naive Weise, aber oft bis dokumentar glaubwürdig den Umfang der Bebauung und die Parcellierung des Gebietes, die Gestalt vieler Bauobjekte und auch die Existenz der Umfassungsmauern, die die einzelnen Gärten abgrenzten. Sie vermerkt auch ein solches Detail, wie das Gartenhäuschen auf den Terrassen in der Nähe der Schießstätte ist. Von der Vedute ist ersichtlich, dass im 3. Viertel des 17. Jahrhunderts die Gärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen das Gesamtaussehen des Gebietes der Plešivecer Vorstadt, aber auch der Neustadt markant mitbestimmten. Im Raum der heutigen Linecká-Gasse wurde die vorstädtische Bebauung von einer Gruppe der Gehöfte gebildet, hinter denen auf Abhängen ausgedehnte Gärten lagen.

Ausschnitt aus der intarsierten Vedute der Stadt, der Gärten in der Vorstadt Plešivec festhält, um 1670, Schloss Č. Krumlov, Autor: Anonymus

In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts beginnt die Obrigkeit eine immer größere Aufmerksamkeit auch den Nutzgärten "auf dem Mantel" zu widmen, die sich auf dem Gebiet der heutigen Vorratsgärtnerei der Verwaltung des Krumauer Schlosses befanden. Hier wurden in den Jahren 1678 - 1683 Gartenlager und weitere Betriebsräume der Gärtnerei errichtet. Im Jahre 1686 wurden hier von Passau gebrachte Orangenbäume ausgesetzt. Im Jahre 1692 wurde hier ein Weinberg gegründet - es wurden 150 Sätzlinge Weinrebe ausgesetzt, die von fürstlichen Weinbergen im österreichischen Senftenberg gebracht wurden.

Historisches Foto des Wallfahrtsareals auf dem Hügel Křížová hora (Kreuzberg), um 1900, Staatliches Bezirksarchiv, Autor: unbekannt In der Gestalt der städtischen Landschaft von Český Krumlov beginnt sich in dieser Zeit ein erhöhter Marienkult zu äußern. Es entsteht ei Wallfahrtsweg zur Wallfahrtskirche der Jungfrau Maria in Kájov. Ebenfalls der Kalvarienberg mit der Seehöhe 619 m am südöstlichen Rand der Stadt wurde mit einer weißen Silhouette der zentralen achtseitigen Kapelle belebt, die mit einem "Befestigungsring" des Kreuzgangs umgeben ist (Kapelle auf dem Berg Křížová hora (Kreuzberg) in der Stadt Český Krumlov). Die frühbarocke erregte Sensibilität konnte die Anziehungskraft dieses Ortes, der eine außergewöhnliche Aussicht in die weite Landschaft, aber insbesondere auf die pittoreske zusammengedrängte mittelalterliche Stadt mit dem Gegenpol der stolzen Kulisse des Herrensitzes bot, nicht aus der Acht lassen. Die Kapelle ließ Fürst Johann Christian von Eggenberg nach den Plänen von Johann Dominik Spazzi im Jahre 1709 bauen. An die Kapelle knüpfte später eine Reihe von 12 Kapellchen der einzelnen Halte, die hierher direkt von der Stadt hinauf steigen.

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