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Dlouhá Nr. 97, 98

Dlouhá Nr. 97, 98 Lokalisierung:
Dlouhá Nr. 97, 98

Objektbeschreibung:
Ein zweistöckiges Objekt, das mit seiner Breite das Grundstückssystem von ziemlich schmalen Häusern in dieser Reihe stört. Es nimmt 2-3 ursprüngliche Häuser ein. Das Objekt verfügt über ein komplizierteres System von verschieden orientierten Dächern. Die Straßenfront ist siebenachsig, mit historisierender Fassade aus dem Jahre 1875. Alle Öffnungen mit Segmentgiebeln. Die beiden älteren Objekte behielten trotz der einheitlichen Front ihre Anordnung als selbständige Häuser mit getrennten Eingängen.

Bauhistorische Entwicklung:
Beide Objekte sind mittelalterlichen Ursprungs.

Nr. 97: aus dem Mittelalter blieb wahrscheinlich eine Eingangshalle mit gefälzter Bohlendecke erhalten; von dem Renaissanceumbau im Obergeschoß ein Saal mit zwei Jochen von Gewölbe mit mächtigen Graten

Nr. 98: Aus der Renaissance stammt der Erdgeschoßraum mit Tonnengewölbe mit Stichkappen im hinteren Trakt.

Das zweite Stockwerk bei Nr. 97 und Nr. 98 stammt im ganzen Umfang erst aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bedeutende architektonische Details:

  • die Eingangshalle im Haus Nr. 97 mit gefälzter Bohlendecke
  • Gewölbe mit mächtigen Graten im ersten Stockwerk des Hauses Nr. 97
  • Laibungen der Renaissanceöffnungen und Gewände des mittelalterlichen Fensters an der Hoffassade
  • feinfühlige Adaptation des Korridors im Erdgeschoß an den Hof im Haus Nr. 98
  • Gußeisenkonsolen des balkonartigen Gangs (Pawlatsche) an der Hoffront beim Haus Nr. 98
  • Front aus dem Jahre 1875, mit ursprünglicher Füllung und Vertäfelung

Geschichte der Hausbewohner:
Nr. 98 :
Die ältesten bekannten Hausbewohner waren Mitglieder der Familie Štětka, nach denen das Haus in den ersten zwei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts als "Štětkovský" bezeichnet wurde. Im Jahre 1521, als aus der Familie der ehemaligen Besitzer niemand mehr am Leben war, verkaufte Jeroným Schifile, wahrscheinlich der Nachlaßvollzieher, das Haus an Alexander Menych, der während der gesamten 20er Jahre Mitglied des Krumlover Stadtrates war. 1531 verkaufte Menych sein Haus an Hans Dinhof. Der neue Besitzer starb 1542 und hinterließ die Witwe Dorota und die Waisen Barbora, Maruše und Ondřej. In der 2. Hälfte der 40er Jahre war Ondřej schon imstande, das Vaterhaus zu übernehmen. Außer seinem Geburtsnamen verwendete er auch den Nachnamen Podlauf. Er starb im Jahre 1576 und vermachte das Haus seiner Ehefrau Alena. Die heiratete wahrscheinlich Vít Sochor aus Prachatice, der das Haus 1577 an den Barbier Wolf Eisenfeind verkaufte. Nach Wolfs Tode im Jahre 1583 fiel das Haus als Heimfall der Rosenberger Herrschaft zu. Peter Wok von Rosenberg verkaufte das Haus 1594 seinem Hofmaler Bartoloměj Beránek - Jelínek, der hier wahrscheinlich schon vor dem Verkauf wohnte. Die bekannteste Arbeit von Bartoloměj war die Verzierung des Krumlover Schoßturmes (Schloß Nr. 59 - Schloßturm), aber auch des Schlosses in Bechyně. Er starb 1618, und das Haus fiel seiner Frau Marta zu. Ab 1626 lebte im Haus der Verwalter der Eggenberger Herrschaften in Orlík und Zvíkov Jan Nič, dem 1644 der Stadtschreiber Jan Adam Puffer folgte. Der nächste Hausbesitzer war ab 1660 der Adjunkt der fürstlichen Buchhaltung Tomáš Schwarz. Seit dem Jahre 1711 finden wir hier den Hutmacher Jan Anderst, nach dem 1735 der nächste Hutmacher, Josef František Neumüller, kommt. Seine Familie lebte im Haus bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Ab 1848 gehörte das Haus Leopold Sklenář, der es im Jahre 1875 mit dem Haus Nr. 97 verband.

Nr. 97 :
Nach einem nicht näher bekannten Jíra erscheint in diesem Haus in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts der Mälzer Mašek, der 1521 starb. Drei Jahre später verkaufte Mašeks Sohn Sylvestr das Haus an den Mälzer Ambrož, der "der dicke Mälzer" genannt wurde. Nach dem Tode von Ambrož blieb seine Witwe mit drei Söhnen für eine kurze Zeit im Haus. Im Jahre 1543 wurden die Söhne wahrscheinlich selbständig, und die Witwe von Ambrož verkaufte das Haus an den Schuhmacher Mates, der hierher aus Latrán umzog. Mates starb ungefähr am Ende der 50er Jahre des 16. Jahrhunderts, und seine Witwe Dorota blieb im Haus bis zum Jahre 1571, als sie es dem Schuhmacher Florián Ranner verkaufte. 1596 starb Floriáns Ehefrau Mariana. Ein Jahr später heiratete Florián Voršila, die Witwe von Filip Nuss, und zog zu ihr in das Haus in der Kájovská Nr. 54 um. Sein Haus verkaufte er im Jahre 1598 an den Barbier Ludvík Pfeiffer, der aus Schwaben stammte und vorher in Latrán gelebt hatte. Ludvík starb im Jahre 1617, und die Witwe Dorota lebte im Haus bis 1624, als hier der Maler Jiří Sporeigl auftauchte. Im Jahre 1633 zog hierher der Weber oder Leineweber Ondřej Schütz um, dem 1650 der Tuchmacher Lorenz Baurnschmidt folgte. Ab 1693 gehörte das Haus dem Primator Adalbert Langer. Im Jahre 1740 finden wir hier den Sattlermeister Pavel Hochendörffer. Ab 1796 wohnte ein weiterer Sattlermeister, Augustin Geble, im Haus, dessen Familie es bis zum Jahre 1840 bewohnte, als das Haus Leopold Sklenář erwarb. 1875 wurde dann das Haus mit dem Haus Nr. 98 verbunden.

Legenden und Überlieferungen:
Im Haus wohnte ein reicher Bürger, der seiner Tochter nicht erlaubte, den Jungen zu heiraten, den sie liebte. Er suchte für sie einen sehr reichen Mann aus. Nach der Hochzeit, die er in diesem Hause veranstaltete, machte sich das Ehepaar auf den Weg nach Budweis auf, woher der Bräutigam stammte. Während der Reise passierte ihnen hinter Mirkovice ein Unglück. Niemand wußte genau, was geschah, der Postillion, der die Post nach Krumlov brachte, fand die umgestürzte Kutsche und die Braut, den Bräutigam und den Kutscher nur noch tot vor. Gleich in der Nacht darauf hatte der Vater der Braut einen schrecklichen Traum, in dem ihm seine Tochter Vorwürfe machte, daß sie so heiraten mußte.

Gegenwärtige Nutzung:
Galerie Kasparus, Down Town Apartments - Unterkunft im Zentrum, Galerie Atelier, Urt & Craft