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Latrán Nr. 1

Latrán Nr. 1, Gesamtansicht, foto:  Ladislav Pouzar Lokalisierung:
Latrán Nr. 1
Bis heute noch wird dieses Haus als Baderhaus bezeichnet, denn schon im 16. Jahrhundert betrieben hier die Bader ihr Gewerbe.

Beschreibung des Objektes:
Ein einstöckiges Gebäude mit glatter Stirnwand.

Bauhistorische Entwicklung:
Schon in einem städtischen Privileg aus dem Jahre 1347 wird das Baderhaus erwähnt. Das Haus entstand in der Zeit der Gotik, war ursprünglich an die Stadtmauer und das Stadttor (abgerissen um das Jahr 1835) angebaut. Es handelt sich um ein einstöckiges Gebäude mit glatter Stirnwand. In der Zeit des Klassizismus wurde das Haus umgebaut und mit dem nördlichen Trakt ergänzt. Im Erdgeschoß hat es ein erhaltenes Tonnengewölbe, im ersten Stock im Verputz ausgeführte zurückversetzte Deckenspiegel.

Bedeutende architektonische Details:
In dem an das Gebäude angrenzenden Garten kann man Reste der Schloßbefestigung finden.

Geschichte der Bewohner des Hauses:
Die erste Erwähnung über dieses Haus stammt aus dem Jahre 1540, aber das Baderhaus, wie das Gebäude bis heute genannt wird, stand wahrscheinlich schon lange vorher hier. Im Jahre 1540 starb der dortige Bader Mates, der noch vor seinem Tode das Haus und das Bad dem Bader Bostl (Šebestián) Šváb verkaufte. Dieser starb zu Anfang der 70er Jahre des 16. Jahrhunderts und ins Haus zog der Bader Wolfgang Eisenfeind ein, der vorher ein Baderhaus bei der Gojauer Brücke (Kájovský most) (Nr.56) besessen hatte. Wolfgang hörte im Jahre 1577 auf das Badergewerbe zu betreiben, zog in das Haus Nr. 98 in der Dlouhá-Gasse um und das Baderhaus verkaufte er an Melichar Marth, einen Bader aus Mikulov. Vor dem Jahre 1580 ging das Bad und das Haus in die Hände des Mates Habenstier über, der sie im Jahre 1580 an Zikmund Pichler verkaufte. Zikmund und Lucie Pichler hatten vier Töchter, davon einmal Zwillinge, und mit dem Namen der Markéta, die vor dem Jahre 1591 zur Welt kam, ist eine Tragödie verbunden, die sich im Krumauer Schloß in der Nacht vom 18. zum 19. Februar 1608 abgespielt hat. Das Schloß in Český Krumlov bewohnte in dieser Zeit der uneheliche Sohn des Kaisers Rudolf II. von Habsburg, der psychisch schwer gestörte Julius d\' Austria, der Markéta zu seiner "leiblichen Freundin" erkor und sie in dieser Nacht brutal ermordete. Für dieses Ereignis schoben die Bürger von Český Krumlov die Schuld der Mutter Lucia Pichler in die Schuhe und drängten darauf, daß die Eheleute die Stadt verließen. Die Prager böhmische Kammer wollte aber die Sache nicht weiter aufrühren und die Pichlers konnten weiter ihr Gewerbe betreiben. Zikmund Pichler starb im Jahre 1621 und ein Jahr später verkaufte Lucia das Haus und das Bad an Kryštof Male mit dem Vorbehalt, daß sie hier bis an ihr Lebensende wird leben können. Sie starb im Jahre 1628. Auch die weiteren Besitzer des Hauses waren Bader, vom Jahre 1679 an werden sie als Bader und Feldscherer oder sogar Chirurgen angeführt, wie zum Beispiel Bartoloměj Weiber, dessen Familie in den Jahren 1772 -1806 hier wohnte. Die Bader und manchmal auch "Chirurgen" wirkten hier bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts.

Gegenwärtige Nutzung:
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