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Náměstí Svornosti Nr. 1

Náměstí Svornosti Nr. 1 und Nr. 2, Gesamtansicht Lokalisierung:
Náměstí Svornosti Nr. 1

Objektbeschreibung:
Ein einstöckiges Renaissance-Eckgebäude, gedeckt mit vier Satteldächern senkrecht zu der Stirnseite des Hauses. Die Stirnseite ist im Erdgeschoß mit sechs Spitzbogen der Laube auf den abgeschrägten prismatischen Pfeilern durchbrochen. Die Laube ist mit Kreuzgewölben versehen. Im oberen Teil endet die Stirnwand mit einer hohen Attika mit zwei Bändern von Halbpfeilern und Kegeln mit Rokokovasen aus gebranntem Ton. In der linken Oberecke dicht unter dem Attikagiebel gibt es eine kleine Glocke. In der linken Hälfte der Stirnwand sind vermauerte Renaissance-Fenstergewände, rechts gotische Gewände und in der Mitte vier Stuckwappen. Das Interieur des Gebäudes ist durch ein gotisches Portal zugänglich, über dem ein Schildchen mit dem gemalten Wappen der fünfblättrigen Rosenberger Rose angebracht ist. Auf der linken Seite des Portals befindet sich ein Fragment des gotischen Fensters mit dem Maßwerk. Die Eintrittshalle mit dem Gewölbe mit Kämmchen und dem Tonnengewölbe enthält Fragmente von zwei gotischen Portalen mit dem Motiv von zwei sich durchlaufenden Stäben. Im 1. Stockwerk befindet sich eine Halle mit einer neuzeitlichen Balkendecke auf Kragsteinen. Im rechten Teil der Laube ist an der Wand die keramische Landkarte von Český Krumlov angebracht. Die mittelalterlichen Keller unter dem größeren Teil des Gebäudes sind überwiegend mit Stein gewölbt.

.. Krumauer Stadtplatz mit dem Rathaus, hist. Foto, Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums Český Krumlov, Foto J. Seidel, 1915


Bauhistorische Entwicklung:

Die ursprüngliche Parzelle wurde um 1300 bebaut, als der Grundriß der Stadt gebildet wurde. Im Zeitraum der Spätgotik wurde im Erdgeschoß die Laube aufgebaut. Das Rathaus entstand nach der Mitte des 16. Jahrhunderts durch Verbindung von zwei oder drei selbstständigen gotischen Häusern ( des ursprünglichen Rathauses und des Bürgerhauses). Die Objekte wurden innerlich verbunden und deren Stirnseite wurde durch die Renaissace-Attika optisch vereinigt. Bei der Renaissanceherrichtung entstand ein umfangreicher Hofflügel des Gebäudes und vor dem Jahre 1564 auch das Gewölbe mit Kämmchen in der Eintrittshalle. Im Jahre 1796 wurde die Attika in die heutige klassizistische Gestalt hergerichtet und im 19. Jahrhundert es kam zu deren Erniedrigung. Im Jahre 1924 verlief eine umfangreiche Rekonstruktion des Objektes, bei der die bebaute Laube erneuert und die Wappen an der Stirnwand abgedeckt wurden. In den Jahren 1938 - 1940 wurde der Hoftrakt mit den Fleischbänken demoliert und der Neubau von Interieuren realisiert. Die Reparaturen von Fassaden verliefen in den Jahren 1966, 1968, 1986 und 1997/98.

Náměstí Svornosti Nr. 1, Schwarzenberger Wappen an der Stirnfassade Náměstí Svornosti Nr. 1, Wappen der Böhmischen Ländern und der Stadt Český Krumlov an der Stirnfassade .. Náměstí Svornosti Nr. 1, Eggenberger Wappen an der Stirnfassade


Entwicklung der Fassade des linken Rathaustraktes:

Im Mittelalter existierten in der gegenwärtigen Rathausfront zwei selbstständige Bürgerhäuser mit grober Putzgestaltung ihrer Stirnseiten, bei dem Eckobjekt ergänzte die steinernen Laibungen in der Gotik-Renaissancezeit ein umrahmendes graues Band. Nach dem erhaltenen gestaffelten Giebel eines der Objekte an der Hofseite lässt sich nicht ausschließen, dass ein ähnlicher Giebel auch ihre Stirnseite am Stadtplatz schmückte.

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In der Spätrenaissance nach 1598 wurden beide Objekte mit einer einheitlichen Stirnseite mit der Ausschmückung durch das Pyramidenbossenwerk, abgeschlossen mit einer zweibändigen Attika mit näher nicht bestimmten Giebelaufsätzen verbunden. Architektonische Elemente der Attika schmückte noch dazu eine illusionistische Chiaroscuromalerei. Das Erdgeschoss wurde durch einen Laubengang mit sechs Arkaden geschmückt. In der Barockzeit wurde die Sgraffitoausschmückung mit einem neuen Putz mit weiß-braunem Farbenentwurf verdeckt.

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In der Zeit des Klassizismus wahrscheinlich in der Anknüpfung an vernichtende Folgen eines Sturms im Jahr 1796 wurden die bogenformige Giebelaufsätze komplett entfernt, mit der Erhaltung der zweibändigen Attika, mit Terrakottavasen geschmückt. Die Stirnseite wurde durch einen weiß-roten Farbenentwurf gegliedert, wie es auch die zeitgenössische Ikonografie beweist. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden drei Bogen des Laubengangs mit weißem und später grauem Anstrich der Grundfläche vermauert.

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Im Jahr 1924 erfolgte fast im ganzen Umfang die Erneuerung des Laubengangs. Analytisch wurden an der Fassade steinerne Laibungen aus der Gotik-Renaissance und teilweise auch die Sgraffitoverzierung präsentiert. Im Jahr 1966 erfolgte eine umfangreiche Instandsetzung der Fassade mit der Restaurierung der Wappen und Verdeckung der Sgraffitoverzierung. Die letzten Putzinstandsetzungen im Jahr 1996 knüpften an die vorhergehende Zugangsweise zu der Präsentation der Stirnseite an, die Notwendigkeit einer umfangreichen Abänderung älterer Putze, aber auch des Mauerwerks der Attika wurde vor allem durch die ungeeignete Zusammensetzung des Kalkzementmörtels von der vorhergehenden Instandsetzung verursacht. Der weiße Anstrich wurde mit der Kalktechnologie durchgeführt.

Bedeutende architektonische Details:
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  • Wappen an der Fassade der Stirnseite: das Wappen der Stadt Český Krumlov, des Böhmischen Landes, links das Wappen des Herrscherhauses der Eggenberger, rechts das Wappen des Herrscherhauses der Schwarzenberger (hergerichtet um 1800, restauriert 1986)
  • Gewölbe mit Kämmchen in der Eintrittshalle
  • Fragmente des gotischen Gewändes von Fenstern und Portalen

Geschichte der Hausbewohner:
Die ursprünglichen gotischen Gebäude aus dem 14. Jahrhundert wurden in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ( wahrscheinlich im Jahre 1597) in eine Ganzheit verbunden. Es handelte sich um das Objekt des zweitältesten Rathauses von Český Krumlov (Nr. 24 und 26) und das Bürgerhaus der Familie Teufl (Nr. 1). Dieses gehörte wahrscheinlich ursprünglich dem Abt des Klosters Zlatá Koruna, dem ehrwürdigen Mann Teodorik, der das Haus im Jahre 1309 bauen ließ. Das Haus war im Besitz von den Geistlichen von Zlatá Koruna wahrscheinlich mindestens bis zum Jahre 1424. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wo die Besitzungen von Zlatá Koruna durch Ulrich II. von Rosenberg ergriffen wurden, ging auch dieses Haus in sein Eigentum über. Ulrich verkaufte oder schenkte es im Jahre 1459 der edelmännischen Familie Metlín von Metlín. Einer der Mitglieder dieses Geschlechts, Peter Pryms, vermachte das Haus nach dem Tod seiner Gattin dem ledigen Mädchen Voršila Mikulášová. Diese Entscheidung rief jedoch einen großen Unwillen der Nachbarn und des Stadtrats hervor, welche die Voršila als eine unordentliche Frau bezeichneten, zu deren Gunsten Petr Pryms seine eigenen Kinder um ihre Erbschaft betrug. Voršila setzte ihren Anspruch wahrscheinlich nicht durch und das Gebäude gehörte nachfolgend der Familie des reichen österreichischen Kaufmanns Ondřej Teufl, der auch Mitglied des Stadtrats war. Der Stadtrat kaufte das Haus für die Bedürfnisse des neuen Rathauses im Jahre 1597 ab. Auf das Jahr 1660 bezieht sich ein Dokument, das belegt, daß im neuen Rathaus bei der Gelegenheit der Hochzeitsfeier von Jan Zrinský ze Serynu mit Marie Magdalena von Kolowrat 30 Pferde eingestallt wurden. Der Bürgermeister und die Stadtsyndiken amtierten ursprünglich in ihren Häusern. Erst im Jahre 1752 richtete der Syndikus Stejskal das Büro im Rathaus ein. Im Jahre 1791 zog auch der Bürgermeister ein. Im Jahre 1805 sollte ein Umbau des Rathauses erfolgen, in dessen Rahmen die Laube bebaut und der Turm zugebaut werden sollten und die Registratur mit dem Archiv in das Erdgeschoß umziehen sollte, damit sie sicherer vor dem Brand geschützt werden. Wegen des Finanzenmangels wurde dieses Vorhaben nicht verwirklicht. Im Rathaus wurden viele wertvolle Gegenstände untergebracht, z. B. drei vergoldene Schlüssel von den Stadttoren, die man der Obrigkeit bei der Einfahrt in die Stadt abgab, die Stadtsiegel und das silberne Geschirr, das man bei den Festmahlen zu Ehre der Erneuerung des Stadrats oder bei anderen Festgelegenheiten benutzte.

Gegenwärtige Nutzung:
Stadtamt Český krumlov
Stadtpolizei
Tabakladen
Museum der Tortur

Náměstí Svornosti Nr. 1, Eintrittsportal Náměstí Svornosti Nr. 1, Gewölbe