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Geschichte der Juden in Rožmberk nad Vltavou

Grabstein aus dem Jahr 1598 auf dem jüdischen Friedhof in Rožmberk nad Vltavou, Foto: Lubor Mrázek Wann sich die Juden zum ersten Mal in Rožmberk niederließen, ist nicht bekannt. Der deutsche Historiker Alois Harasko führt an, dass es "bereits unter den Rosenbergern" war. Er stützt sich auf den Rechtsstreit aus dem Jahr 1378 zwischen den Städten Linz und Freistadt. Gegenstand des Streits war eine Beförderung des "Judenfleischs" von Rožmberk nach Linz. Bei dieser Fahrt wich man Freistadt aus, wo Zoll in die Stadtkasse entrichtet werden musste. Auf dem "alten" jüdischen Friedhof ist ein Rest einer deutsch geschriebenen Platte, von der es ersichtlich ist, das der jüdische Friedhof in Rožmberk vor 1480 gegründet wurde. Im Wochenblatt Česko - bavorské výhledy 20/1994 wird geschrieben, dass "die Juden nach Rožmberk 1670 kamen, nachdem sie durch eine kaiserliche Anordnung aus Wien vertrieben worden waren". In Linzer Gerichtsakten werden im Zusammenhang mit der Nichteinhaltung der Bedingungen des Marktes im Jahr 1676 zwei rosenbergische Juden Joachim Löbl und Alexandr Korb erwähnt. Im Fundus Buquoyer Adel werden in den Gerichtsakten in Linz im Jahr 1686 "ein Jude aus Rožmberk", 1706 Salamon Marian, 1712 Marcus Marian und 1738 Ascherl angeführt. Sämtlich waren es Juden aus Rožmberk.

Die ältesten Grabsteine auf dem "alten" jüdischen Friedhof in Rožmberk nad Vltavou sind ins 18. Jahrhundert datiert. Auf einem von ihnen aus dem Jahr 1793 gibt es eine hebräische Aufschrift: "Hier ruht David aus Linz. Er starb in der Mitte seiner Jahre, sein Schicksal wurde Eva". David wurde Isak Miskowitz geschrieben, er war ein Rožmberker Jude, der auf dem Linzer Marktplatz getötet wurde. Gemeinsam mit ihm wurden auf dem Rožmberker Friedhof bis zum Jahr 1863 auch alle Juden aus Linz bestattet. Erst in diesem Jahr wurde in Linz ein jüdischer Friedhof errichtet. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf diesem "alten" jüdischen Friedhof in Rožmberk mit Beerdigungen aufgehört und an der Straße nach Český Krumlov wurde ein "neuer" jüdischer Friedhof gebaut. Der alte jüdische Friedhof in Rožmberk wurde zu einem Kulturdenkmal erklärt und nicht nur von Juden, sondern auch von Christen respektiert. Das belegen auch Fotografien aus den Jahren 1930 und 1938. Rožmberker Landsmann Arthur Gintner erinnert sich: "Im Jahr 1939 zog ein Schar halbwüchsiger Jünglinge aus Rožmberk zum alten jüdischen Friedhof, sie stießen viele alte Grabsteine um und weitere schändeten sie". Es ist sympatisch, dass sie bestraft wurden und: "für diese Tat verschiedene Arbeiten für die Gemeinde leisten mussten". Zur Zeit gibt es auf dem "alten" jüdischen Friedhof nur noch um dreißig hebräische Grabsteine herum.

Reste des 'alten' jüdischen Friedhofes in Rožmberk nad Vltavou, Foto: Lubor Mrázek

Rožmberk war unter Juden des ganzen Österreich-Ungarns als Provinzstadt mit einer verbreiteten jüdischen Kommunität bekannt, die ihren Sitz am rechten Ufer der Vltava unter der Burg hatte, der "Judenstadt" genannt wurde. Nach der Topografie J. G. Sommers lebten in Rožmberk im Jahr 1841 vier jüdische Familien. Beim Bau der Schule in Rožmberk im Jahr 1880 wurde in den Grundstein eine Aufschrift gemeißelt, in der es steht: "In der Stadt gibt es 198 Konskriptionsnummern, in denen 1.454 Christen sind. Mit ihnen leben 72 Israeliten und ein Rabbi, der sich um Mosis Gesetz und Bräuche kümmert". Jüdische Häuser hatten römische Nummern, die erst im 20. Jahrhundert durch arabische Zahlen ersetzt wurden. Um die Synagoge mit der späteren Nummer 80 herum lassen sich "alte jüdische Nummern", die heutigen Nr. 75, 78, 79 und 81 erkennen. Auf dem freien Platz neben dem Spital in der Nr. 75 sind Reste eines durch Feuer vernichteten jüdischen Hauses zu sehen. Alteingesessene Juden erzählten, dass an dieser Stelle die ursprüngliche Synagoge stand". Nach Cechner war die Synagoge in Rožmberk bereits seit dem 17. Jahrhundert und brannte 1846 ab.

Die Synagoge in dem heute bereits abgerissenen Haus Nr. 80 war ein Gebäude "von außen ohne Zierden, einstöckig, von drei Achsen mit einer offenen Freitreppe. Im Inneren war ein Saal mit drei Fenstern und einer Größe von 7 x 10 Metern, mit böhmischen Gewölben zwischen Gurtbögen gewölbt. Im Westfeld war in der ganzen Breite des Saals eine Empore". Die Bundeslade im Altar mit zwei hölzernen Säulchen mit Gebälk hatte einen frühbarocken Charakter aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und spätere Seitenwände waren aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Der Schutzvorhang von 120 x 180 cm vor der Bundeslade hatte eine ältere gelbe seidene mit gold- und silberdurchwirktem, fünf Zentimeter breitem Renaissancesaum, der auf neuerem rotem Samt angenäht war. In der Mitte war gelber Damast mit einer hebräischen Aufschrift. Alle drei Kronleuchter waren aus Messing und stammten aus dem 17. Jahrhundert. Einer von ihnen war sechseckig mit einem Durchmesser von 50 cm und einer Höhe von 55 cm und hatte oben einen Reiter, der auf einem Adler saß und in der Hand ein Zepter hielt. Die restlichen zwei Leuchter waren achteckig mit einem Durchmesser von 60 und 75 cm. Die Synagoge verfügte über tiefe Keller und im Obergeschoss war die Wohnung des Rabbins. In der Synagoge war auch eine Bäckerei für Juden. Die Wand "Misrach" war nicht wie in Jerusalem nach Südosten, sondern nach Südwesten gerichtet.

Neuer jüdischer Friedhof in Rožmberk nad Vltavou, Foto: Lubor Mrázek

Bis zum Jahr 1917 wirkte in Rožmberk Rabbi Glanzberg, der nicht nur jüdische gottesdienstliche Zeremonien ausübte, sondern auch jüdischen Kindern Hebräisch, Schrift und Religion beibrachte. Nach seinem Tod wurde das Amt eines Rabbins in Rožmberk wegen einer kleinen Anzahl Juden nicht mehr besetzt und das Lesen bei Gottesdiensten und den Unterricht von Kindern übernahmen Max Allina, Heindrich Sternschein und Sigmund Holzbauer. Holzbauer führte Aufsicht bei der Schlachtung von Tieren, damit alles "koscher" war. Die Innenausstattung der Synagoge wurde im September 1938 von einer SS-Einheit aus Linz völlig vernichtet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Synagoge zum Wohnen benutzt, in den Kellern wurde Kohle gelagert. Nach dem Jahr 1945 wurde in den Räumen des Obergeschosses eine Schlosserei errichtet, die am Anfang der sechziger Jahre aufgehoben wurde. Im Jahr 1966 wurde das Gebäude der Synagoge in Rožmberk abgerissen.

Auf dem "neuen" jüdischen Friedhof in Rožmberk war unter 97 erhaltenen Grabsteinen auch das Grab Max Allins, der am 5. November 1919 im Alter von 77 Jahren starb. Die Familie Holzbauer ist hier "reich vertreten". Es gibt hier auch eine einfache Gußplatte, die an den Tod Arnošts im Konzentrationslager Auschwitz und Roberts und Bedřichs Tod im Konzetrationslager Dachau erinnert. Über Heindrich Sternschein habe ich in den Erinnerungen seines Sohns gelesen, der in der Schweiz studierte und fünfundzwanzig Jahre lang Hochschullehrer in Kanada war. In Rožmberk kannte man ihn als Dolfi Sternschein und er selbst nannte sich vor seinem Tod "letzter Rožmberker Jude". Von seinen umfangreichen Memoiren kann zitiert werden: "In alten Zeiten, als noch mein Vater jünger war, war in Rožmberk auch eine jüdische Schule - Jeschiwa. Die Kinder von vier bis zehn Jahren lernten hier die Grundkenntnisse der Thora, des Talmuds und anderer jüdischer heiliger Bücher. Sie lernten auch alte hebräische Gebete mit einem richtigen Akzent zu singen. Als am 19. Juli 1935 mein Vater starb, trafen sich bei seiner Beerdigung mehr als tausend Leute, Christen sowie Juden, um ihm die letzte Ehre zu bezeigen. Mir steigen immer Tränen in die Augen, wenn ich mich erinnere, dass er so dem Schicksal meiner Mutter entging, die in Auschwitzer Gaskammern ums Leben kam. Gemeinsam mit meiner Mutter wurden vom nazistischen Regime 84 meine Onkel, Tanten, Kusinen und Cousins getötet. Gemeinsam mit meiner Mutter wurden sechs Millionen Juden umgebracht..."

(fs)

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