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Kirche des heiligen Johannes des Täufers in Zátoň

Zátoň, spätgotische Kirche, foto:  Lubor Mrázek Auf einer mäßigen Anhöhe dominiert dem Vltava-Tal eine spätgotische Kirche, wahrscheinlich einer der ältesten Kirchenbauten Südböhmens. Sie wurde an einem uralten Steig am rechten Ufer der Vltava gebaut, an dem alte gotische Kirchen z. B. in Přídolí oder Černice stehen. Eine archäologische Untersuchung entdeckte im Jahr 1999 unter den Fundamenten der Sakristei und des Presbyteriums Reste einer romanischen Kirche.

Zátoň gehörte dem Benediktinerkloster in Ostrov bei Davle, das als das reichste in Böhmen berühmt war und am Anfang der Hussitenkriege vernichtet wurde.

Im Jahr 1310 ist an der Kirche in Zátoň ein kleines Kloster mit Probstei bewiesen. Es wurde im Jahr 1491 aufgehoben. Nach dem Jahr 1490 wurde wahrscheinlich auf älteren Fundamenten der spätgotische, 1510 gewölbte Bau gebaut. Das Dach und der prismatoidische Turm wurden 1890 repariert (eine weitere Instandsetzung erfolgte 1928).

Das fünfeckige Presbyterium hat einen unregelmäßigen Grundriss, deshalb ist das Gewölbe auf der Nordseite auf Kragsteinen beendet. Im Schiff gibt es ein interessantes Netzgewölbe mit sich durchhauenden Rippen. Das Licht dringt durch Fenster mit ursprünglichem gotischem Maßwerk hinein. Der Chor wird won drei Spitzbögen auf zwei achteckigen Pfeilern getragen und ist mit einem Netzgewölbe mit keilförmigen Rippen unterwölbt. Vom südlichen Vorsaal führt in das Schiff ein Sattelportal mit reich profilliertem Gewände. Gedrehte steinerne Stäbe, die die Ständer durchhauen, geben der regelmäßigen Gliederung eine besondere Dynamik. Rechts von der Tür gotische Almosensäule. Ebenfalls der Eingang von der westlichen Stirnseite ist mit einem Sattelportal umrahmt.

Spätgotisches Portal des südlichen Vorsaals, Foto: Jiří Bláha Durchgehaute Rippen des Südportals, Foto: Jiří Bláha Spätgotisches Westportal

Um die Kirche gibt es einen Friedhof, wo noch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts mehrere Kunstschmiedekreuze standen (Familie Lepschi).

Aus der Kirche in Zátoň stammt der gotische Flügelaltar -Archa von Zátoň - die in der Nationalgalerie in Prag aufbewahrt wird. Die Madonna auf dem Halbmond aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts befindet sich in der Alešs Südböhmischen Galerie in Hluboká.

Von der gotischen Ära der Kirche blieben die Altarmensa (Tisch), das Sanktuarium und der Taufbecken (der Kessel und Deckel sind barock) erhalten.

Spätgotisches Sanktuarium, Foto: Jiří Bláha Gewölbe des Chores – Auslauf der Rippen, Foto: Jiří Bláha

Die ursprüngliche Ausstattung der Kirche vor deren Ausrauben in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts enthielt einen wertvollen Barockaltar vom Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Bild Taufe Christi, weiter eine Kollektion von rar erhaltenen Leuchtern aus dem 16. Jahrhundert und zwei Messingleuchter aus dem 17. Jahrhundert.

Zwei gegenüberliegende Seitenaltäre - des hl. Simon und Mariä Heimsuchung stammen aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts (1730 - 1740). Der Marienaltar trug ein Bild von C.Philippot aus dem Jahr 1848.

Die intarsierte Kanzel ist mit Qualitätsschnitzarbeit - Reliefen der Evangelisten geschmückt. Gegenüber unter dem Baldachin Statue des hl. Anton von Padua aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Gewölbe des Presbyteriums, Foto: Jiří Bláha

Gewölbe des Schiffes (durchgehaute Rippen)

Detail des Gewölbes, Foto: Jiří Bláha

Der auf zwei Säulen gewölbte Chor, links steinerne Treppe, Foto: Jiří Bláha

Die Kirche wurde auch mit sechs Barockstatuen geschmückt: hl. Florian, hl. Donatus, hl. Anna, hl. Lorenz, hl. Johann von Nepomuk und hl. Linhart (dieser Heilige wurde in der Gegend als Patron der Hirten und Beschützer vom Vieh verehrt).

Bilder des Kreuzwegs von R. Čurn aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die funktionsfähige Orgel benötigt eine Gesamtrekonstruktion.

Im Vorsal gibt es fünf Grabsteine: Paul Perringer, Antonín Pumerl, Pater Ludovik Čížek (Nordseite des südlichen Vorsaals).

Detail des gotischen Fensters im Presbyterium, Foto: Jiří Bláha Grabstein des Paters Ludvík Čížek, Foto: Jiří Bláha Westpfeiler des Schiffes, Foto: Jiří Bláha

Die Kirche in Zátoň ist ein bedeutendes Sakral- und Kunstdenkmal: Sie ist Bestandteil der Geschichte der böhmischen bildenden Kunst und würde sicher mehr Pflege und eine Erneuerung verdienen.

(Zdeněk Duffek)