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Der Kreuzweg in Vyšší Brod

Etwa eine Stunde vom Zisterzienserkloster Vyšší Brod entfernt, auf einer kleinen Matte, befindet sich ein Granitblock, mit dem eine fromme Legende verbunden ist, dass sich hier Muttergottes mit ihrem Sohn ausruhte. Im Jahr 1844 hängte hierher ein heute unbekannter Beamter mit seinem zwölfjährigen Sohn ein Bild Maria Schnee. Im Mai 1887 bauten sieben Hirten über dem Stein eine provisorische Kapelle, die sie mit Heiligenbildern schmückten. Die Nachricht von der Kapelle über dem Stein verbreitete sich schnell, sodass hier in kurzer Zeit ein hölzernes Kreuz und ein größeres Bild angebracht wurden. Mitte August 1887 besuchte die Kapelle auch der Vyšebroder Abt Leopold Wackarž, der über den Bau einer Wallfahrtskirche entschied.

Ingenieur František Karel, der in dieser Zeit die Loučovicer Papierfabrik baute, bereitete einen Bauplan vor, der Wirt Franz Preinfalkl spendete ein Baugrundstück, andere spendeten wieder Holz, Ziegeln und Fuhren. Der Maurermeister Josef Dobusch baute aus Granit eine Wallfahrtskirche im pseudoromanischen Stil und am 29. Juli 1888 wurden schon das Kreuz und die Glocke geweiht. Die feierliche Weihe der Wallfahrtskapelle, genannt "Maria Rast am Stein", führte der Vyšebroder Abt Leopold Wackarz am 15. August 1888 unter Teilnahme von mehr als zweitausend Pilger durch. Bereits im nachfolgenden Jahr 1889 fand hier am 15. August eine feierliche Prozession statt und der 15. August wurde seit dieser Zeit zur Hauptwallfahrt.

Im Jahr 1890 wurde die ursprüngliche Kapelle über dem Stein durch eine neue ersetzt. Die Statue Mariä Schnee in Lebensgröße wurde bei der Firma Stufleser in St. Ulrich in Tirol gekauft. Sie steht auf dem Stein, wo das Bild eines alten Meisters hing, das den Märtyrertod des hl. Sebastians darstellte. Die Weihe der Statue und der Kapelle erfolgte wieder am 15. August. Der Umzug ging von der Vyšebroder Pfarrkirche St. Bartholomäus aus, die im oberen Teil des Vyšebroder Stadtplatzes steht. An der Spitze der Prozession gingen 276 weißgekleidete Mädchen, die nicht nur Blumen, sondern auch die Statue Mariä Schnee trugen. Hinter ihnen gingen mehr als zweitausend Vyšebroder Pfarrkinder.

Vyšší Brod, Ansichtskarte, Quell: Album starých pohlednic Českokrumlovsko, Roman Karpaš, Jiří Záloha, 2001, ISBN - 80 - 86424 - 8

Im Jahr 1898 wurde am Weg vom oberen Teil des Vyšebroder Stadtplatzes zum Wallfahrtsort ein Kreuzweg mit vierzehn steinernen Stationen gebaut, die mit Gußbildern erfüllt sind und auf dem Gipfel ein Grab Gottes haben. Der Kreuzweg zu Maria Rast am Stein wurde am 27. März 1898 geweiht. Unter der Kapelle mit der Kirche stand das Gasthaus von Alex Peckl, der hier Klosterbier ausschenkte. Alljährlich finden bei Maria Rast am Stein drei Prozessionen statt. In der Vergangenheit wurde immer an der Spitze der Prozessionen die Fahne der Vyšebroder Brüderschaft des lebenden Rosenkranzes getragen. Am Sonntag, dem 29. Juli 1900 ging eine Prozession von 540 Gläubigen unter der Leitung des Paters Beller von Č. Budějovice bis ins Vyšebroder Kloster. Hier wurde ein Dankgottesdienst abgehalten und 243 Pilger empfingen hier die Kommunion. Die Pilger gingen dann den Kreuzweg entlang bis zur Wallfahrtskirche Maria Rast am Stein. Den ganzen Weg von Č. Budějovice trugen die Mädchen nicht nur Palmenblätter, sondern auch eine Fahne und Statue der Jungfrau Maria. Die größte Wallfahrt fand am 5. Mai 1901 statt, als an der Spitze der Pilger der einundneunzigjährige Abt Leopold Wackarz und hinter ihm alle Vyšebroder Mönche gingen. Wie D. Kaidl schrieb: "Der Anfang des Umzugs ging bereits an der Kirche St. Josef vorbei, während die Letzten erst die Klostertore verließen." Auch an der Prozession am 15. August 1901 nahmen "mehr als dreitausend Pilger teil." Für den Abt Leopold Wackarz war es der letzte Kreuzweg zu Maria Rast am Stein, denn er starb mit 92 Jahren am 13. Dezember 1901.

(fs)

Weitere Informationen:
Geschichte der Region Vyšší Brod
Wallfahrten und Wallfahrtsorte in der Region Český Krumlov
Die Kapelle und der Kreuzweg in Studenec
Kreuzweg in Frymburk
Vyšší Brod