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Mittelalterliche Kolonisation der Region Český Krumlov


Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts verlief in den böhmischen Ländern die sog. mittelalterliche Kolonisation, während der Hunderte von neuen Siedlungen, Märkten, Städten, Burgen und Klöstern entstanden, auch wenn eine ganze Reihe von ihnen während der langen historischen Entwicklung zugrunde ging und bis heute nur unbewohnte Reste und Ruinen, Flurnamen oder schroffe schriftliche Erwähnungen von ihnen erhalten blieben. Um die mittelalterliche Besiedlung der Region Český Krumlov machten sich vor allem Adelsgeschlechter und kirchliche Orden verdient, obwohl die ersten Ansiedler in dieses Gebiet schon lange vorher kamen.

Das älteste mittelalterliche Verwaltungszentrum in der Region Český Krumlov ist durch archäologische Funde in der Lokalität Boletice bereits im 6. - 8. Jahrhundert bewiesen. Später reichte in dieses Gebiet der Einfluss des Stammes Doudlebi und des Geschlechtes der Slavníkovci. Die frühmittelalterliche Besiedlung in Boletice belegt auch die ursprünglich romanische Kirche St. Nikolaus aus dem 12. Jahrhundert. Als die ersten begannen mit der mittelalterlichen Besiedlung der Grenzwälder kirchliche Orden, denn die älteste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1037, als der böhmische Fürst Břetislav das Dorf Zátoň dem Benediktinerkloster in Ostrov schenkte. Dieser Orden baute hier vor dem Jahre 1310 ein kleines Kloster. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts gehörte das Dorf Svéráz zum Strahover Premonstratenserkloster. Am Ende des 12. Jahrhunderts siedelte sich in der Region Český Krumlov das böhmische Adelsgeschlecht der Witigonen an, das hier seine Sitze um die Mitte des 13. Jahrhunderts gründete. Einer systematischen Kolonisation dieses Gebietes widmete sich auch der kirchliche Orden der Zisterzienser. Die meisten neuen Siedlungen wurden jedoch erst im Laufe des 14. Jahrhunderts gegründet.

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Einen bedeutenden Einfluss auf die Kolonisation dieses Grenzgebietes des Königreichs Böhmen im 13. Jahrhundert hatten Handelswege (Historische Pfade in der Region Český Krumlov) und Wege, auf denen vor allem Salz aus dem Gebiet der österreichischen Alpen sowie aus den deutschen Ländern ins böhmische Inland befördert wurde. Durch die Region Český Krumlov gingen bereits seit dem 12. Jahrhundert einige Zweige des sog. Linzer Weges durch, dessen Richtung der Bestand der Böhmerwalder Wälder und der Lauf des Flusses Vltava (Moldau) beeinflussten. Der Hauptweg führte von Linz über Leonfelden zu Vyšší Brod, Rožmberk, Zátoň und Přídolí, setzte über Český Krumlov, Boletice und Chvalšiny zum Goldenen Steig oder nach České Budějovice fort. Der zweite Zweig dieses Handelsweges führte von Linz über Cáhlov (heute Freistadt), Dolní Dvořiště, Kaplice und Velešín nach České Budějovice. Weitere Handelswege führten aus Österreich über Frymburk oder aus den deutschen Ländern über Horní Planá. Entlang dieser Wege entstanden mit der Zeit Handelssiedlungen sowie Untertanenstädte und -märkte.

Schloss Český Krumlov, Bild

Über die Kolonisation der bisher dünn besiedelten Gebiete der Region Český Krumlov machte sich vor allem das Adelsgeschlecht der Witigonen verdient, dessen Gründer nach der Tradition Witigo von Prčice ( + 1194 ) war. Dieser verteilte nach einer alten Wappensage seinen Besitz unter seine fünf Söhne, und so teilte sich das Geschlecht der Witigonen in fünf Geschlechtszweige - Herren von Krumlov, von Rosenberg, von Jindřichův Hradec (Neuhaus), von Landštejn und von Stráž, mit einem gemeinsamen heraldischen Zeichen der fünfblättrigen Rose. Der älteste Ort, der mit der Tätigkeit der Witigonen in der Region Český Krumlov verbunden war, war das Dorf Přídolí, das bereits im Jahre 1220 erwähnt wurde. Der wahrscheinlich älteste Sitz der Witigonen war die Burg Rožmberk, die im Jahre 1250 schriftlich belegt wurde, auch wenn es offensichtlich ist, dass die Burg in dieser Zeit bereits stand. Ihre Entstehung fällt höchstwahrscheinlich in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der erste bewiesene Besitzer der Burg war Wok von Rosenberg. In derselben Zeit entstand auch die Krumauer Burg, die im Jahre 1253 schriftlich erwähnt wurde. Die Burg, die aus einer kleinen Burg mit einem Turm bestand, war offensichtlich auch bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut. Sehr früh entstand unter der Burg zwischen den Krümmungen der Vltava eine Handelssiedlung, die bereits im Jahre 1309 als Stadt angeführt wird. Die Bedeutung der Krumauer Burg festigte sich markant nach dem Jahre 1302, als sie zum Sitz des rosenbergischen Geschlechts wurde, denn das verwandte Geschlecht der Herren von Krumlov starb aus. Ebenfalls um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde in den Grenzwäldern als Wachburg Vítkův Hrádek gegründet. Die meisten Burgen in diesem Gebiet entstanden also in der Zeit der Regierung des böhmischen Königs Václav I. (1230 - 1253), als sich in Böhmen der Bau von königlichen sowie herrschaftlichen Burgen entwickelte, für die oft die damals beliebten deutschen Namen gewählt wurden. Die jüngste von den mittelalterlichen rosenbergischen Burgen in der Region Český Krumlov war Dívčí Kámen , die im Jahre 1349 gegründet wurde.

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Auch die Entstehung der Zisterzienserklöster in Vyšší Brod und Zlatá Koruna war Bestandteil der mittelalterlichen Kolonisation der Region Český Krumlov in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Auch wenn über Vyšší Brod, als Siedlung an einem Handelsweg, die ersten schriftlichen Erwähnungen bereits im Jahre 1257 sprechen, gründete hier das Kloster Wok von Rosenberg erst im Jahre 1259 als Dank für die Rettung seines eigenen Lebens im angeschwollenen Fluss Vltava und auf Wunsch des Gründers wurde hier die Gruft des rosenbergischen Geschlechts untergebracht. Nach Vyšší Brod berief er dann die Mönche des Zisterzienserordens aus dem oberösterreichischen Wilhering bei Linz, die die Gründung weiterer neuer Siedlungen fortsetzten. Die Kolonisierung dieses Gebietes wurde nicht nur von den Witigonen geführt, sondern auch vom böhmischen Herrscher Przemysl Ottokar II., der in diesem Gebiet den königlichen Einfluss stärken wollte, um damit das weitere Durchdringen der Witigonen in Richtung ins Inland zu hindern. Deshalb gründete er im Jahre 1263 das Zisterzienserkloster Zlatá Koruna als Gegengewicht von Vyšší Brod und im Jahre 1265 die neue königliche Stadt České Budějovice. Die unversöhnliche Stellungnahme der Witigonen zu den neuen königlichen Besitzungen gipfelte mit der Ausplünderung des Goldenkroner Klosters im Jahre 1276 und auch von České Budějovice im Jahre 1278. Die beiden Klöster wurden bald zu bedeutenden Zentren der Bildung sowie geistigen Kultur.

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Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts wird in der Region Český Krumlov an eine ganze Reihe von neu gegründeten kleineren sowie größeren Ortschaften erinnert. Zur systematischeren Kolonisation dieses Gebietes kam es jedoch erst im Laufe des 14. Jahrhunderts, als hier einige -zig von neuen Siedlungen überwiegend mit Ansiedlern aus dem deutschen Milieu entstanden. Nach den ersten schriftlichen Erwähnungen waren in der Region Český Krumlov im 13. Jahrhundert an die 50 Siedlungen und während des 14. Jahrhunderts entstanden hier weitere etwa 90 neue größere Siedlungen. Von den Ortschaften, die in der Nähe der herrschaftlichen Burgen, Klöster oder an wichtigen Handelswegen lagen, entwickelten sich mit der Zeit Marktorte mit dem Recht Wochen- und auch Jahrmärkte zu veranstalten, ein eigenes Siegel zu nutzen, Bier für eigenen Bedarf zu brauen oder handwerkliche Zunfterzeugung zu betreiben. In dieser Zeit hatten das Statut einer Untertanenstadt Český Krumlov und Rožmberk und Untertanenmarktorte, die aus den Siedlungen überwiegend im Laufe des 14. Jahrhunderts entstanden, waren Dolní Dvořiště, Dolní Vltavice, Cetviny, Frymburk, Horní Dvořiště, Horní Planá, Hořice na Šumavě, Chvalšiny, Kaplice, Křemže, Přídolí, Rožmitál na Šumavě, Rychnov nad Malší, Vyšší Brod und Velešín.

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In der Region Český Krumlov siedelten nicht nur mächtige Geschlechter der Herren von Krumlov und von Rosenberg, sondern auch zahlreiche Geschlechter der Wladikas und Landedelleute, die in ihren Festen und kleinen Burgen lebten. Einen beträchtlichen Besitz und Einfluss hatten hier im 13. Jahrhundert die Bavorové von Strakonice, mit denen die Wladikageschlechter von Chlum, von Křemže und von Pořešín eng verbunden waren. Ein weiteres Geschlecht, das sich in beträchtlichem Maße um die Kolonisation des hiesigen Gebietes verdient machte, waren die Herren von Michalovice, denen die Burgen Velešín und Sokolčí und die Feste Benešov gehörten. Ihre Herkunft wurde vom Herrengeschlecht der Markvartici abgeleitet. Unter einflussreiche Wladikageschlechter gehörten auch Pouzarové von Michnice, Višňové von Větřní oder Wladikas von Cipín. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts begannen jedoch die Rosenberger ihre Positionen in diesem Gebiet zu festigen, und deshalb kauften oder auf eine andere Weise erwarben sie die Sitze des niederen Adels auf, was zur Verlassung, allmählichem Verfall und Untergang oder beabsichtigter Zerstörung einer Reihe von kleinen Burgen und Festen in der Region Český Krumlov führte. (Adelsgeschlechter in der Region Český Krumlov)

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(mj)

Weitere Informationen :
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Tschechisch-deutsches Lexikon der Lokalnamen der Gemeinden und Ortschaften der Region Český Krumlov
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