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Keltisches Oppidum Třísov

Das keltische Oppidum Třísov ist eine der bedeutendsten Lokalitäten der südböhmischen Urzeit. Die Kelten, auf dem böhmischen Gebiet vor allem durch den Stamm der Bojern repräsentiert, erreichten im Laufe des 2. Jahrhunderts vor Christus eine hohe gesellschaftliche Organisation, deren Ausdruck befestigte Siedlungen vorstädtischen Typs - Oppida sind. Im Netz der böhmischen Oppida nehmen die an der Vltava situierten Lokalitäten - Závist u Prahy, Hrazany, Nevězice und das am südlichsten gelegene Třísov - eine wichtige Stellung. Die Verteilung dieser Stützpunkte an der Vltava ist nicht zufällig und hängt mit der Kommunikation zusammen, die den Böhmischen Talkessel mit dem Donaugebiet sowie mit den südlicher gelegenen Gebieten verband.

.. Třísov, schematischer Grundriss des Oppidums - A) nördliche Akropolis, B) südliche Akropolis, C) doppelte Linie der Befestigung auf der Westseite, D) Befestigung auf der Südseite.

Die archäologische Untersuchung des Třísover Oppidums eröffnete in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg das prähistorische Seminar der deutschen Universität in Prag, das von Camilla Streit geleitet wurde. In den Jahren 1954 bis 1981 wurde eine systematische Untersuchung der Lokalität von der prähistorischen Abteilung des Nationalmuseums in Prag unter der Leitung Dr. Jiří Břeňs durchgeführt. Im Nationalmuseum werden auch die meisten Funde aufbewahrt. Heute ist das Třísover Oppidum Nationales Kulturdenkmal und jede Beschädigung ist strafbar.

Die Anfänge des Třísover Oppidums, das in einer strategischen Lage am Zusammenfluss der Vltava mit dem Křemžer Bach gebaut wurde, legen wir in die Zeit um die Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus, die größte Blütezeit erlebte es jedoch im 1. Jahrhundert vor Christus. Die besiedelte Fläche nahm 26 Hektar ein. Die Befestigung in der Gestalt von Gürteln der Wälle blieb auf der West- und Ostseite des Oppidums erhalten. Auf der Nord- und Südseite wurde sie wohl nicht zu gründlich gebaut - die Lokalität ist hier durch steile natürliche Abstürze geschützt. Im Oppidum dominieren zwei Akropolen in seiner nordwestlichen und südwestlichen Ecke. In der Zeit des größten Aufschwungs war das Oppidum ein wichtiges regionales Herstellungszentrum, das ins Netz des Fernhandels eingegliedert wurde und wahrscheinlich auch eine wichtige Rolle im religiösen Leben der damaligen Gesellschaft spielte. Das Třísover Oppidum konnte nicht einsam existieren. Obwohl sich auch seine Bewohner wahrscheinlich teilweise mit der Landwirtschaft beschäftigten, musste es sich ans Netz landwirtschaftlicher Siedlungen stützen, die sein Hinterland bildeten. Deren Erkenntnis und Untersuchung steht erst am Anfang. Das Ende des Oppidums hängt höchstwahrscheinlich mit dem Verfall der keltischen Macht in Böhmen während der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus. Höchstwahrscheinlich ging es durch keine Gewalt unter, sondern es wurde verlassen.

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Třísov, Versuch einer Rekonstruktion der steinernen Mauern zwischen der Innen- und Außenbefestigung.

Eine Schlüsselbedeutung für die Existenz jedes keltischen Oppidums hatte die Befestigung. In Třísov wurde die mächtigste Fortifikation dank der Konfiguration des Terrains an seinem am leichtesten zugänglichen westlichen Rand gebaut. Heute erscheinen ihre Reste im Terrain als zwei Linien der Wälle. Diese entstanden durch den allmählichen Zerfall der ursprünglichen Mauer. Die archäologische Untersuchung ermöglichte die Konstruktion und ursprüngliches Aussehen der Befestigung zu erkennen - einen aufgeschütteten, mit einer Holzkonstruktion verfestigten, lehm-steinernen Wall mit einer steinernen Stirnblende.

Die Innenmauer war an der Grundseite 7 m breit. Die steinerne Stirnblende wurde durch senkrecht eingelassene 150 cm voneinender entfernte Balken verfestigt. Im untersuchten Abschnitt blieb die Stirn der Mauer bis zur Höhe von 160 cm erhalten. Über der steinernen Blende und dem inneren aufgeschütteten Körper stand wahrscheinlich noch eine hölzerne Mauer.

Die äußere Befestigung wurde auf eine ähnliche Weise konstruiert. Der Raum zwischen den beiden Linien der Befestigung ist mit regelmäßig wechselnden niedrigen Kämmen und Gräben, die winkelrecht zu den Linien der Mauern sind. Es geht wahrscheinlich um Reste der abgestürzten Mauern, die die eventuelle Seitenbewegung des Angreifers im Raum zwischen den beiden Linien der Mauern verhinderten. Dieses Abwerhelement ist in der keltischen Welt völlig vereinzelt.

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Die Burgstätte wurde von Westen durch zwei Tore betreten. Das sog. Zangentor im inneren Wall ist einfach - die durch die steinerne Blende verfestigte Enden des Wallkörpers knicken in einem Rechtwinkel nach innen in die Fläche des Oppidums ein. Zwischen ihnen stand höchstwahrscheinlich ein hölzerner Turm mit einem Tor. Die Straße im Tor war mit Rollsteinen gepflastert. Das äußere Tor hat eine kompliziertere Konstruktion. Die Enden der Wälle wurden unregelmäßig eingeknickt und in den Raum zwischen ihnen wurde noch dazu ein schräger Wallkörper eingelegt, der den Zugang enger machte und auch die hier entspringende Quelle abtrennte.

Viel wenigere Informationen haben wir über die Befestigung auf der Ostseite des Oppidums. Auch hier blieb im Terrain die Stelle des ursprünglichen Tores teilweise erhalten. Zur Fortifikation sind zwei selbstständige "Bastionen" vorgeschoben. Dieser Teil der Lokalität wurde jedoch bisher nicht archäologisch untersucht.

Über die in den Arealen der böhmischen Oppida stehende Architektur wissen wir bisher verhältnismäßig wenig. Sämtliche Kenntnisse stammen aus negativen Fundamenten der bei archäologischen Untersuchungen bloßgelegten Bauten. Bisher gelang es nicht die Existenz steinerner Bauten nachzuweisen. Belegt sind Blockbauten oder Bauten mit einer Pfahlkonstruktion und ursprünglichen Lehmwänden. Über die Gestalt deren überirdischer Teile wissen wir fast nichts, einige waren jedoch ziemlich geräumig. Im Oppidum Hrazany wurden Grundrisse der Häuser mit einem Ausmaß bis von 15x12 m oder bis 21 m lange Fundamente von Bauten auf steinernen Untermauerungen bloßgelegt. Geläufig treffen wir in den Oppida auf kleine Hütten mit einem unter das Niveau des umliegenden Terrains eingelassenen Boden. Im keltischen Oppidum Třísov standen Wohnbauten, manchmal auch auf steinernen Untermauerungen, vor allem an der Befestigung. Die Innenfläche des Oppidums war höchstwahrscheinlich mit Wirtschaftsobjekten mit einem Ausmaß von 7-9 x 3-4 m mit einer Pfahl- (Säulen-) konstruktion der Wände bebaut.

Třísov, kleine Bronzegegenstände ..

Die nördliche Akropolis des Oppidums war wahrscheinlich der Ort des Kultus. Die Archäologen legten hier den Grundriss eines achteckigen Baus mit einer hölzernen Pfahlkonstruktion bloß, die wir höchstwahrscheinlich für ein Heiligtum halten können.

Die Areale der keltischen Oppida halten wir für za regionale Zentren der Handwerksproduktion. Diese Funktion erfüllte auch das Oppidum in Třísov. Ein ausgezeichnetes technologisches Niveau erreichte hier die Keramikherstellung. Gefäße wurden bereits auf der Töpferscheibe hergestellt und in Öfen vertikalen Typs mit einem Rost gebrannt, der die Feuerkammer von dem Einsatz trennte. Am häufigsten sind topfartige Formen vertreten, es fehlen nicht einmal Schüsseln oder Flaschen. Für die Třísover Keramikproduktion sind die sog. Grafitwaren (mit Zusatz von Grafit im Ton) typisch, die dank ihren technologischen Eigenschaften Gegenstand des Fernhandels waren. Außer der geläufigen Nutzkeramik sind in den Třísover Funden auch luxuriöse Töpferwaren mit einem gemalten Dekor vertreten - technologischer sowie künstlerischer Gipfel der damaligen Keramikproduktion.

Eine außerordentliche Entwicklung erreichte die Metallurgie. Die eigentliche Eisenherstellung erfolgte in spezialisierten Werkstätten wahrscheinlich außer das eigentliche Areale der Oppida. In den Oppida arbeiteten jedoch Schmiede. Von ihren technologischen sowie handwerklichen Kenntnissen zeutgen mehrere -zig bekannte Arten Werkzeug, Instrumente, Waffen, verschiedener Beschläge oder anderen Bedarfs (z. B. Messer, Rasiermesser, Scheren, Äxte, Sensen, Pflugeisen, verschiedene Baubeschläge, Pferdemundstücke usw.). Eiserne Erzeugnisse wurden in der Landwirtschaft, zur Holzbearbeitung oder zu verschiedensten Tätigkeiten im Haushalt benutzt. Völlig unvertretbar war Eisen bei der Herstellung von Waffen und Rüstungen - Lanzen, Pfeilenspitzen, Sporen usw.

Eine hohe Stufe der Entwicklung erreichte auch die Metallgießerei und Bearbeitung von bunten Metallen. Aus Bronze wurden kleine Zier- und Nutzgegenstände hergestellt. Einer der häufigsten Funde sind Spangen - Kleiderschnallen. Einige können wir sogar für Schmuck halten. Oft wurden sie auch aus Eisen, seltener aus Edelmetallen hergestellt. Von weiteren Schmuckstücken und zierlichen Nutzgegenständen sind Armbänder, Ringe, Gürtelschnallen, Kämme, Bruchstücke von Spiegeln oder verschiedene Anhängsel zu nennen. Aus Bronze wurden auch tierische oder menschliche Miniaturplastiken, wahrscheinlich vom Kultcharakter hergestellt. Im Třísover Oppidum ist die Bearbeitung der bunten Metalle außer zahlreichen Funden fertiger Erzeugnisse auch durch den Produktionsabfall einer der Metallgießerwerkstätten bewiesen - durch häufige Bruchstücke von Abgussformen.

Eine beträchtliche Blütezeit erlebte in der Zeit der Oppida das Glashüttenwesen. Aus der blauen, gelben, braunen oder grünen Glasmasse wurden bunte Armbänder, Ringe, Korallen und Perlen hergestellt. Deren häufige Funde stammen auch aus Třísov. Ein hohes Niveau erreichte die Bearbeitung von Knochen zu Ahlen, Angeln, Glättern oder sogar Spielsteinen. Im Třísover Oppidum blieben die Erzeugnisse aus Knochen jedoch nur im beschränkten Maße erhalten. Die Textilherstellung beweisen indirekt zahlreiche erdene Spinnwirtel.

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Ein wichtiger Bestandteil des lebens des Třísover Oppidums war wahrscheinlich der Handel, der durch Funde von den aus römischen Provinzen importierten Erzeugnissen - Bruchstücken eines keramischen Brenners oder Fragmenten von Bronzegefäßen belegt ist. Den eigentlichen Tausch innerhalb des Oppidums illustrieren vereinzelte Funde goldener, silberner und bronzener Münzen oder bronzene Schüsseln einer übertragbaren Waage.

(jm)

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