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Archäologische Untersuchungen in der Region Český Krumlov

Obwohl die ersten zufälligen archäologischen Funde aus der Region Český Krumlov bereits vom Ende des 19. Jahrhunderts stammen und die ältesten Nachrichten über die hiesigen Burgstätten noch etwa hundert Jahre älter sind, erfreute sich dieses Gebiet nie einem solchen Interesse der Archäologen, wie zum Beispiel das fruchtbare Elbe-Gebiet, oder Mittel- oder Nordwestböhmen. Die Region Český Krumlov war die ganze Urzeit über sowie im Frühmittelalter, bis zum 12. - 13. Jahrhundert, Rand-, Grenzsiedlungsgebiet. Die relativ dünne Beseidlung konzentrierte sich hier in mehreren fruchtbareren Enklaven (das Gebiet von Chvalšiny, Boletice). Vereinzelte Funde urzeitlicher Gegenstände und befestigte Höhenlagen deuten den Verlauf der Fernstraßen an. Diese führten sämtlich in Nord-Süd-Richtung - vom Donaugebiet ins Innere des böhmischen Talkessels.

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Die ersten archäologischen Denkmäler - urzeitliche Burgstätten und kleine mittelalterliche Burgen - wurden in der Region Český Krumlov bereits am Ende des 18. Jahrhunderts dokumentiert. Die älteste Zeichnung der Wallbefestigung des keltischen Oppidums Třísov blieb auf einem der Blätter des Josefinischen Mappierung Böhmens aus den Jahren 1782-1784 erhalten. Die bis heute sichtbaren Wälle der mittelalterlichen -->kleinen Burg auf dem Raziberg bei Boletice führt zum ersten Mal J. Schaller in seiner Topografie des königreichs Böhmen aus dem Jahr 1789. Währen des 19. Jahrhunderts kamen nach und nach weitere Lokalitäten dazu. Außer den Resten der Befestigung (kleine Burg bei Zátoň im Jahr 1891) waren es auch weitere Arten von Denkmälern - zum Beispiel Grabhügel aus der Eisenzeit bei Čertyně und Zaluží. Im Jahr 1888 wurden sie vom Kustod und späteren Direktor des Museums in České Budějovice Adolf Lindner entdeckt und untersucht.

Vom Ende des 19. Jahrhunderts stammen auch die ersten vereinzelten Funde urzeitlicher steinerner und bronzener Gegenstände. So wurden bronzene Äxte bei Dolní Vltavice, Černá v Pošumaví (um 1882) und Novosedly bei Kájov (1898) sowie zwei bronzene Schwerter der Grabhügelkultur der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 - 1250 vor Christus) in der Nähe von der Burg Vítkův Hrádek (1883) gefunden. Weitere Funde stammen aus der Zeit nach der Jahrhundertwende: bronzene Lanzenspitze aus der jüngeren Bronzezeit (ca. 1250 - 900 vor Christus) aus Vyšší Brod (1910), steinerne späteneolithische (ca. 2700 - 2000 vor Christus) Äxte aus Michnice (1911) und Umgebung von Benešov nad Černou (1932) oder das Bronzeschwert aus Boletice (1925).

Die Höhle von Dobrkovice bei Český Krumlov, foto:  V. Šimeček ..

Massenfunde urzeitlicher Gegenstände, Schmuck, Waffen oder deren Bruchstücke - sog. Depots, gehören zu bedeutenden Beweisen des urzeitlichen Handels. In der Region Český Krumlov wurden zwei solche Depots in der Nähe der Handelswege gefunden, die später auch im Mittelalter benutzt wurden. Das erste bestand aus 165 Messingbarren aus der älteren Bronzezeit (ca. 2000 - 1500 vor Christus) in Havalda bei Chvalšiny im Jahr 1904, das zweite bildete dann ein Komplex von Bronzegegenständen aus der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 - 1250 vor Christus), der 1948 in Hořice na Šumavě gefunden wurde (Depots aus der Bronzezeit in der Region Český Krumlov).

Die Zeit des ersten größeren systematischen Interesses für einige Teile der Region Český Krumlov fällt in die Zwischenkriegszeit und ist untrennbar mit dem Namen des Kájover Oberlehrers Karl Brdlik verbunden. Nicht lange nach dem Ende des 1. Weltkriegs beschäftigte er sich mit einer systematischen Suche nach archäologischen Lokalitäten, insbesondere in der Umgebung von Chvalšiny, Boletice und Kájov. Einige entdeckte Hügelgrabstätten und Siedlungen untersuchte er auch in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Fachlich arbeitete er insbesondere mit dem Professor der Prager deutschen Universität Leonhard Franz zusammen. Die Funde wurden sorgfältig evidiert und im Böhmerwaldmuseum in Horní Planá aufbewahrt, das 1923 errichtet wurde. Ein größerer Teil der urzeitlichen Sammlung des Oberplaner Museums, einschließlich originaler Evidenzkarten, wird bis heute im Bezirksheimatmuseum in Český Krumlov aufbewahrt. Im Jahr 1966 wurde sie von A. Beneš katalogisiert.

..Auch die ersten tatsächlichen archäologischen Untersuchungen in der Region Český Krumlov wurden von tschechischen sowie deutschen Archäologen in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durchgeführt. Im Jahr 1926 untersuchten Albín Stocký und Libuše Jansová mehrere slawischen Hügelgräber bei Besednice, in den Jahren 1931/32 führten nach und nach E. Simbriger und L. Franz kleinere Sonden in der Burgstätte Radischenberg (heute der Hügel Hradiště) bei Kaplice und in den Jahren 1933/34 untersuchte L. Franz mit A. Liebus eine kleine Höhle unter einem Überhang des Felsens bei Dobrkovice (Dobrkovicer Höhle). Eine kleine Höhle mit urzeitlichen Funden (ältere Bronzezeit - 2000 - 1500 vor Christus, Hallstattzeit - 700 - 400 vor Christus) unweit von der Ortschaft Svíba untersuchte in dieser Zeit auch K. Brdlik.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Region Český Krumlov lange Zeit archäologisch nicht systematisch verfolgt. Die einzelnen archäologischen Untersuchungen in einigen gewählten interessanten oder gefährdeten Lokalitäten führten hier Fachleute aus verschiedenen Institutionen durch. Die Archäologen des Nationalmuseums in Prag führten kleinere Sonden auf dem Raziberg bei Boletice (E. Soudská 1954) und in der slawischen Burgstätte bei Kuklov (J. Neustupný, M. Slabina, V. Chocholoušek 1968-69) durch. In den Jahren 1954-83 führte J. Břeň eine umfangreiche Untersuchung des keltischen Oppidums Třísov durch. J. Poláček vom Südböhmischen Museum in České Budějovice konzentrierte sich in den Jahren 1960-74 auf eine systematische Untersuchung der Burgstätte aus der Bronzezeit in Dívčí Kámen. Die mittelalterliche Burg Dívčí Kámen untersuchte im Jahr 1962 A. Hejna vom Archäologischen Institut der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften in Prag. In den Jahren 1973-76 untersuchte er auch die Burg Velešín und die kleine Burg in der Lage Velešín - Kamenná věž. A. Beneš von der Pilsener Expositur des Archäologischen Instituts entdeckte in den 60er Jahren eine bisher völlig unbekannte Höhensiedlung und Burgstätte bei Kladenské Rovné, Křenov und Lazec westlich von Český Krumlov (Urzeitliche Burgstätten in der Region Český Krumlov).

Umgebung von Boletice, keramische Gefäße aus Grabhügeln, ältere Eisenzeit (ca. 700-400 vor Christus), Untersuchungen K. Brdliks, Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums in Český Krumlov Umgebung von Boletice, Bruchstücke eines urzeitlichen Siebs und Scherbe eines mittelalterlichen Grafittopfs, Untersuchungen K. Brdliks, Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums in Český Krumlov

Nach dem Jahr 1990 konzentrierten sich die Archäologen auf die Durchführung von archäologischen Rettungsuntersuchungen in den historischen Kernen der Städte und Dörfer. Wegen der erhöhten Bauaktivität drohte hier den archäologischen Denkmälern die größte Gefahr. An erster Stelle müssen wir die Stadt Český Krumlov nennen (Archäologische Untersuchungen in der Stadt Český Krumlov), wichtige archäologische Untersuchungen erfolgten jedoch auch in Chvalšiny, Benešov nad Černou (Archäologische Untersuchung in Benešov nad Černou), Horní Dvořiště sowie woanders. Wichtig war auch der Fund des romanischen Mauerwerks des Kirchleins des hl. Johannes des Täufers in Zátoň.

Das erneuerte Interesse für eine systematische Prospektion in der Region verfolgen wir etwa seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Bereits am Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts publizierte S. Vencl einen Fund der Reste von beinahe zwanzig Siedlungen aus der Mittelsteinzeit - Mesolithikum (ca. 8500 - 5500 vor Christus), die er auf beiden Ufern des Lipno-Stausees entdeckte (Mesolithische Besiedlung von Lipno). Gleichzeitig erfolgte in der Region ein Projekt der Evidenz der liegenden archäologischen Denkmäler (J. Michálek, P. Zavřel). In der Mitte der 90er Jahre knüpften daran die Mitarbeiter des Bezirksheimatmuseums in Český Krumlov mit ihren Untersuchungen insbesondere in der Umgebung von Chvalšiny, Kájov, Blansko bei Kaplice und im Gebiet genannt "Kouty" zwischen Zlatá Koruna und Kamenný Újezd an. In der letzten Zeit konzentrierten sich die Archäologen von verschiedenen Institutionen auch auf die Suche nach bisher nicht entdeckten Höhensiedlungen und Burgstätten (z. B. neu gefundene urzeitliche Burgstätte auf dem Hügel Stržíšek bei Brloh, oder Höhensiedlung in der Lage Velešín - Kamenná věž) und auf die Untersuchung und Dokumentierung der untergegangenen Reste des mittelalterlichen Bergbaus und der Gold- und Silberwäsche.

(me)

Weitere Informationen :
Urzeitliche Besiedlung der Region Český Krumlov
Frühmittelalterliche (slawische) Besiedlung der Region Český Krumlov
Archäologische Untersuchungen in der Stadt Český Krumlov