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Heraldik in der Stadt Český Krumlov

Bei einem Stadtbummel fesseln die Besucher viele heraldische Zeichen, die an den Burgmauern, an den Wänden der Schloßgebäude, an den Stadthäusern, an den Wänden der Klöster, an alten Grabsteinen angebracht sind. Außer dieser gemalten, steinernen und Stukkaturzeichen befinden sich die gleichen Symbole auch in der Dekoration und Einrichtungsgegenständen der Schloßinnenräume, an den Wänden und Decken der einzelnen Räume gemalt, auf den Lehnen der Sitzgarnituren gestickt, ins Glas und Porzellan geschliffen. Von großer Bedeutung waren Wappen auf Wachssiegeln, die als Mittel zur Beglaubigung der Echtheit und Richtigkeit des Inhaltes der herausgegebenen Urkunden und Schriftstücke dienten.

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Heraldische Zeichen entwickelten sich in den böhmischen Ländern bereits seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Wappen war ursprünglich ein farbiges Zeichen auf der Rüstung, am häufigsten am Schild, das eine bestimmte Person und deren Gefolge auf dem Schlachtfeld charakterisierte. Die Grundlage eines Wappens bildeten Wappenzeichen, meistens stilisierte Bilder von Tieren und Gegenständen. Mit der Zeit wurden diese militärischen Symbole in die Rechts-, Verwaltungs- und Gesellschaftssphäre übertragen und sie wurden zum Attribut eines bestimmten Adeligen und dessen Territoriums. Ursprünglich hatten die Wappen einen persönlichen Charakter, aber später vererbte man in Adelskreisen den Anspruch auf das Wappen. In der älteren Zeit hatte das Wappen gewöhnlich eine einfache Form, in der jüngeren Zeit kam es oft bei den einzelnen Mitgliedern des Geschlechtes zu einer individuellen Erweiterung des Wappens sowie auch zu dessen Änderungen. Verheiratete Frauen kombinierten in der Regel das Wappen ihrer Familie mit dem Wappen der Familie des Gatten. In einigen Fällen verwendeten die Eheleute ein gemeinsames, ein sogenanntes Allianzwappen. Es handelte sich um das selbständige Wappen des Geschlechtes der Frau und um das Wappen des Geschlechtes des Mannes, die zueinander orientiert waren.

Latrán Nr. 19, Wappen unter dem Fenster, foto:  Ladislav Pouzar Latrán Nr. 19, Wappen unter dem Fenster, foto:  Ladislav Pouzar

Im Laufe der Entwicklung von heraldischen Symbolen änderte sich die künstlerische Ausführung der Wappen aufgrund weiterer Attribute, und zwar im Zusammenhang mit den Stiländerungen des gegebenen Zeitabschnittes, und gleichzeitig ging man von einfachen und eindeutigen Zeichen, wie es anfangs die militärischen Zwecke erforderten, zu komplizierteren und weniger übersichtlichen Zeichen über. In Český Krumlov kommen die Wappen aller Obrigkeiten vor, die diese Herrschaft besaßen. Darunter sind auch die Wappen der ersten Besitzer der Burg:

das Wappen der Herren von Krumlov mit der grünen fünfblättrigen Rose, das Wappen deren Nachfolger - das Rosenberger Wappen mit der roten fünfblättrigen Rose. Die Rosenberger besaßen Český Krumlov bis zum Jahre 1602. Es kommen auch kaiserliche Wappen vor, und zwar von Rudolf II.von Habsburg und von seinem Bruder Matthias. An vielen Stellen kann man auch die Wappen der Herren von Eggenberg antreffen, denen die Herrschaft in den Jahren 1622 bis 1719 gehörte. Sehr oft kommt auch das Wappen der letzten Schloßbesitzer vor, das Schwarzenbergische Wappen. (Adelige Wappen in der Stadt Český Krumlov).

Horní Nr. 154, Hof des Hotels Růže, Wappen des Jesuitenordens Horní Nr. 154, Hof des Hotels Růže, Wappen des Jesuitenordens  Horní Nr. 154, Hof des Hotels Růže, Wappen des Jesuitenordens   Horní Nr. 154, Hof des Hotels Růže, Wappen des Jesuitenordens

Mit der Zeit begannen auch die Städte und kirchliche Institutionen, Wappen zu benutzen. Stadt- und Bürgerwappen entstanden im 14. Jahrhundert. Die Stadtwappen beinhalteten gewöhnlich ausgeprägte Symbole für das Schanzmauerrecht (Türme, Stadtmauern, Tore), die untertänigen Städte übernahmen gewöhnlich in das Wappen auch das Wappen ihrer Obrigkeit. Ein Teil der Stadtmauer und das Wappen der Obrigkeit sind auch Bestandteil des Stadtwappens von Český Krumlov. (Entwicklung des Wappens der Stadt Český Krumlov).

Die Wappen der kirchlichen Würdenträger, der Orden und der Ordensgemeinschaften entstanden ähnlich wie die adeligen Wappen bereits im 13. Jahrhundert. Gewöhnlich beinhalteten sie als Bestandteil das Zeichen des Kreuzes, die Zeichen der kirchlichen Würden, die Mitra, den Stab, das Paladium, die Hüte in der Farbe der gegebenen Würde mit den entsprechenden Schnüren, Knoten und Troddeln. Einige Klöster übernahmen in ihre Wappen das Wappen ihrer Begründer oder die Ordenswappen. In der Stadt Český Krumlov kann man die Wappen der kirchlichen Orden, Klöster und auch kirchlichen Würdenträger antreffen. (Kirchliche Wappen in der Stadt Český Krumlov).

Český Krumlov, der Verbindungsgang, Abschnitt zwischen dem Objekt Schloss Nr. 56 und  dem Minoritenkloster, Wappen des Wilhelm von Rosenberg und seiner dritten Gemahlin Anna Maria von Baden, Freske, foto:  Ladislav Pouzar

(mh)