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Geschichte der Zünfte und des Handwerks in der Stadt Český Krumlov

Die im Staatlichen Bezirksarchiv in Český Krumlov aufbewahrten schriftlichen Quellen bezeugen die Tätigkeit von insgesamt 26 Zünften. Von den Handwerksberufen aus dem Lebensmittelbereich wirkten hier Fleischhauer (die erste schriftliche Erwähnung 1347), Mälzer (1516), Müller (1578), Bäcker (1595) und Lebzelter (1652). Textile Handwerksberufe waren durch Tuchmacher (1430), Schneider (1489), Weber (1538), Hutmacher (1585), Färber (1705) und Strümpfemacher (1679) vertreten. Lederverarbeitende Handwerke stellten Schuster (1481), Gerber (1545), Kürschner (1553), Sattler (1628) und Riemer (1661) dar. Von den Bauhandwerken waren in der Stadt Steinmetze, Maurer und Zimmerleute (1564), und weiter auch verwandte Handwerke wie Tischler und Binder (1561), Schlosser, Büchsenmacher und Messerschmiede (1546), Schmiede und Wagner (1555) tätig. Von den weiteren Handwerken dann noch Töpfer (1538), Sailer (1582), Glasmacher (1651), Seifensieder und Kerzengießer (1714), Händler und Krämer (1699) und Kaufleute (1840).

Wappen der Bäckerzunft Wappen der Schmiedezunft Wappen der Messerschmiedezunft Wappen der Fleischerzunft

Die ersten Zunftordnungen, durch die die Obrigkeit in der Stadt Zünfte errichtete, blieben aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, also aus der Zeit der Rosenberger, erhalten. Zu dieser Zeit erreichte die Zahl der Handwerker sowie auch das Niveau der Handwerke in der Stadt ein solches Ausmaß, daß eine einheitliche Organisierung und Verwaltung erforderlich wurden. Die Zunftordnungen gewährleisteten den Zünften und Handwerkern, die in diesen organisiert waren, vor allem Schutz vor der Konkurrenz fremder Meister oder unberechtigter Produzenten. Das sog. Meilenrecht sicherte, daß im Umkreis von Horní Nr. 153, Detail der Hauptstirnseite, Wappen der Fleischerzunft einer Meile von der Stadt keine fremden Meister ihre Produkte verkauften durften. Die Zünfte in der Stadt nahmen daher als ihre Mitglieder auch Meister aus der Umgebung auf, wo es keine Zunft für das genannte Handwerk gab. So sicherten sie sich vor der unerwünschten Konkurrenz ab und erhielten Gebühren von weiteren Mitgliedern. Ein Beispiel dafür waren Weber aus Přídolí, denen die Zunft in Český Krumlov im Jahre 1684 ihre Privilegien erweiterte und bereits im Jahre 1688 gegen die Entstehung einer selbständigen Zunft in Přídolí protestierte. Die Hutmacher aus den Herrschaften Vimperk und Drslavice gehörten bis in das Jahr 1707 zu der Zunft der Hutmacher in Český Krumlov, sie richteten sich nach der hiesigen Zunftordnung und durften aus diesem Grund an den Kirchfesten und wöchentlichem Märkten in Husinec teilnehmen. Die Krumauer Handwerker suchten auch neue Absatzmärkte für ihre Produkte. Im Jahre 1729 beschwerte sich die Zunft der Gerber und Schuster in Chvalšiny über die Handwerker aus Český Krumlov und Horní Planá, die das Meilenrecht verletzten und ihre Waren in Ktiš verkauften. Sie einigten sich dann darauf, daß sich Handwerker aus Český Krumlov und Horní Planá immer zu zweit am Kirchtag von St. Thomas und am Palmsonntag in Ktiš und zwei Handwerker aus Chvalšiny an den Kirchtagen in Světlík und in Zátoň beteiligen durften. Die Handwerker konkurrierten einander auch innerhalb der einzelnen Handwerke. Die Fleischhauer lösten Streitigkeiten bezüglich der Hausschlachtungen, die die in der Zunft organisierten Meister schädigten, es kam zu Streitigkeiten zwischen den Fleischhauern und Gerbern mit den Schustern beim Verkauf von Leder. Die Bäcker kämpften gegen die Konkurrenz der Graupner bezüglich des unerlaubten Backens und Verkaufs von Brot. Ähnliche Probleme hatten auch die Schneider mit den Kürschnern und Zuschneidern, die die Arbeiten der Schneider ausübten und so die Meister um ihre Geschäfte brachten.

Zunftprivileg aus dem Jahre 1786

Die Zunftordnung befaßte sich mit der Organisationsstruktur der Zunft - an der Spitze stand ein für die Dauer von einem Jahr gewählter Zunftmeister - weiters mit den Bedingungen für die Lehre, der obligatorischen Anzahl der Wanderjahre für Gesellen, mit dem Regulieren der Zahl der Lehrlinge und Gesellen (im 18. Jahrhundert nahm zum Beispiel die Zunft der Schneider weder Lehrlinge in die Lehre noch neue Meister auf, da es in der Stadt viele Schneider gab, und es schwer war, Arbeit zu finden), mit der Erteilung des Meistertitels und auch mit der Sicherung der Existenz alter und invalider Handwerker. Die Rosenberger unterstützten die Errichtung von Handwerken in der Stadt, um damit den Handwerkern bessere Bedingungen zum Betreiben des Handwerkes zu sichern. Somit unterstützten sie nachhaltig die Entwicklung der Residenzstadt sowie deren höheren Lebensstandard. Für die geleisteten Privilegien sowie auch für den Schutz legte die Obrigkeit Gebühren fest, die einen Teil ihrer Einnahmen bildeten.

Bis heute erinnert an die Geschicklichkeit und die Handfertigkeit der Krumauer Handwerker der erhalten gebliebene historische Kern der Stadt Český Krumlov.

(jmi)

Weitere Informationen:
Geschichte der Fleischbänke in der Stadt Český Krumlov
Geschichte des Schlachthofes in der Stadt Český Krumlov
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