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Zwei Loučovicer Kirchen

Nur die Vltava trennt sie voneinander und oft wird überliefert, dass sie gleichzeitig in der Mitte des 14. Jahrhunderts gebaut wurden. Mit ihrer Gründung ist eine Sage verbunden, die in der Budweiser Zeitschrift Budivoj am Ende des 19. Jahrhundert veröffentlicht wurde. Da steht, dass zwei Rosenberger dieselbe Edeldame liebten. Während der eine auf einem Kreuzzug war, machte der andere der Edeldame so lange den Hof, bis er sie heiratete. Sobald der Bruder vom Kreuzzug zurück kam und von der Hochzeit erfuhr, geriet er in Wut und als sie sich "bei Lúčovice" begegneten, griffen sie einander mit Schwertern an. Als der Kampf am meisten tobte, erklang plötzlich eine Stimme vom Himmel: "Versöhnt euch, ihr seid doch Brüder!" Die beiden erschauerten, empfanden Scham, fielen einander um den Hals und zur Erinnerung an die Versöhnung entschlossen sie sich, dass jeder von ihnen an einem Ufer der Vltava eine Kirche baut, die er seinen Patronen weiht, dem heiligen Prokop und Theobald.

Kirchlein St. Prokop und Ulrich bei Loučovice, Kupferstich, Karel Liebscher, 1868

Die Tatsache war jedoch "ganz anders". Im Jahr 1220 berief Vítek von Prčice nach Přídolí den Benediktinerpfarrer Bohuslav aus Zátoň. Er bat ihn, ihn bei der Besiedlung der Landschaft zu beraten. Die Zátoňer Pfarrei gehörte dem Kloster Sázava. Für den Rat und Dienst gab Witiko dem Pfarrer Bohuslav "die Kapelle in Frymburk und den Wald Drahun", der noch im 20. Jahrhundert zur Zátoňer Pfarrei gehörte. Und gerade im Wald Drahun, auf dem linken Ufer der Vltava in den Teufelsströmen, baute der Pater Pisker eine hölzerne Kirche, oder eher Kapelle St. Prokop, um "die Teufel an der Kette zu halten." Im Benediktinerkloster in Sázava sind weitere zwei Beweise von der Loučovicer Kirche St. Prokop. Um das Jahr 1250 herum wird die Gründung der Kapelle St. Prokop an der Vltava über Zátoň erwähnt, also im heutigen Loučovice. Bis zum 29. Mai 1305 gehörte sie zur Frymburker Pfarrei. An diesem Tag brachte Heinrich von Rosenberg die Frymburker Pfarrei an die österreichischen Prämonstratenser in Schlägl, aber den Wald mit der Kirche ließ er unter Hut der Benediktiner. Ein Beweis dafür ist die Stiftung des Papstes Klemens V. vom 13. Dezember 1310, wo er auch über die Kapelle St. Prokop im Wald Drahun schreibt.

Als die Witigonen im Jahr 1259 dem neuen Zisterzienserkloster in Vyšší Brod die Stiftung erteilten, schenkten sie ihnen vor allem den "Klosterwald", der in der Schenkungsurkunde mit dem rechten Ufer der Vltava und der Landesgrenze abgegrenzt wurde. Noch nach hundert Jahren war es eine öde Gegend mit undurchdringlichen tiefen Wäldern. Nur auf dem Gipfel, der heute Uhlířský (Köhlerberg) genannt wird, ließen sich einige Klosterköhler nieder. Die nächste ständige Besiedlung im Klosterwald gab es am alten Landessteig in Kapličky. Auf dem linken Ufer der Vltava, in der Rosenberger Herrschaft, lag am nächsten das heutige Dvorečná, das damals Twarožná hieß.

Kirchlein St. Prokop (gegr. 1250) auf dem linken Ufer der Vltava in Loučovice, Foto: Lubor Mrázek

Einige -zig Meter von der Kapelle St. Prokop auf dem rechten Ufer der Vltava weihte der Prager Bischof Petr von Krbava am 31. Oktober 1361 die Kirche St. Theobald, die ursprünglich wahrscheinlich auch aus Holz war und das wir heute unter dem Namen Kirche St. Ulrich kennen. Gleichzeitig weihte er auch die Umgebung der Kirche als Ort einer neuen Siedlung. St. Theobald ist Patron der Köhler und so ist es zu vermuten, dass hier ein Ort für eine ständige Siedlung der Köhler sein sollte. Schon am 16. November 1361 wurden der neuen Kirche Ablässe erteilt, die nur an den Besuch geknüpft waren. Das erste Haus in ihrer Nähe entstand jedoch erst im Jahr 1450 und es war die Klosterfischerei. In der Zeit des Baus der Fischerei war die Kirche bereits in einem schlechten Zustand, sodass sie durch einen steinernen Bau ersetzt wurde. Der wurde erst 1489 fertig gestellt und erhielt von mehreren römischen Kardinälen Ablässe. Die Kirche wurde zwar immer noch dem hl. Theobald, aber zugleich auch dem heiligen Ulrich eingeweiht, der Patron der Fischer ist und seinen Namenstag an demselben Tag hat wie der heilige Prokop.

(fs)

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