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Die Kapelle und der Kreuzweg in Studenec

Die Lokalität Studenec bei Rožmberk nad Vltavou wurde nach einer Quelle mit "Wunderwasser" benannt. Ursprünglich stand hier eine alte Buche mit einem Bild der Jungfrau Maria als Dank der Kranken, die durch das Baden und Trinken vom Wunderwasser geheilt wurden. Die Benennung stammt vom deutschen Namen des unweiten Bauernhofes Horndlehzbrunn, das manchmal als Hernnlesbrunn oder Herrleshof angeführt wird. Eine Sage erzählt, dass die Tochter des örtlichen Schenkwirtes Hörner bekam, die sie nicht loswerden konnte. Nach mehrmaligem Kopfwaschen im Wasser der hiesigen Quelle fielen die Hörner ab. Auch hier wurde gesagt "Unsere liebe Frau Quelle", oder auch "Grüne Maria", als Jungfrau Maria bei einer großen Dürre die Gebete der Bürger erhörte und ihnen Wasser brachte.

Der Zisterzienserpater Severin Gottschmid schrieb, dass "hierher schon seit 1609 nachweisbar Pilger kamen". Nach dem Dreißigjährigen Krieg, im Jahr 1670, forderte der Rožmberker Pfarrer Filip Halbritter die Gläubigen seiner Pfarrgemeinde auf, Geschenke zum Bau einer Kapelle zu spenden. Unter den Spendern aus den Jahren 1670 und 1671 sind auch Gräfin Magdareta von Buquoy, der Rožmberker Hauptmann G. Franz Jägerdorf. Diese Sammlung brachte 132 Gulden und weitere Spenden stellten das Baumaterial dar. Aus dem Jahr 1679 stammt eine Urkunde, die anführt, dass in der neu gebauten Kapelle heilige Messen erlaubt waren. Die Kapelle bekam den Namen der heiligen Anna. Am achten Mai 1688 verhängte das Prager erzbischöfliche Konsistorium ein Interdikt, also Verbot gottesdienstlicher Handlungen in dieser Kapelle. Erst nach acht Jahren, am 2. November 1696, wurde das Interdikt aufgehoben.

"Mehr als hundert Jahre lang diente dann die Kapelle als Wallfahrtsort mit einer Heilquelle für die Besucher und Pilger aus Böhmen und Österreich". Seit dem 18. Jahrhundert wird sie in Topografien als Kapelle der Schmerzensreichen Muttergottes oder Kalvarienberg genannt. Kaiser Josef II. schloss diese Kapelle, aber bereits im Jahr 1793 fanden hier wieder Gottesdienste statt. In der Kapelle wurden nach der Rožmberker Heiratsmatrikel auch Hochzeiten veranstaltet. Die erste Hochzeit fand hier wahrscheinlich am 6. Juli 1760 statt, als hier Johann Tomaschko, Gutsbesitzer aus Český Jílovec (Böhmisch Gillowitz) und Rosina Tuscher aus Přířez (Priesern) getraut wurden. Mit der Zeit verfällt die Kapelle, sodass sie, halbverfallen mit eingestürztem Dach, im Jahr 1841 gründlich renoviert werden musste.

Kapelle am Ende des Kreuzwegs von Rožmberk nad Vltavou nach Studenec, Foto: Lubor Mrázek

Der Bau der Kapelle aus dem 17. Jahrhundert erhielt höchstwahrscheinlich seine Form, die aus einem unüberdachten Innenhof und einer überdachten Kapelle im Nordwesten besteht. Am dreizehnten Juni 1898 brannte die Kapelle nieder, "aber auf Wunsch der Pfarrkinder wurde sofort mit der Instandsetzung der Kapelle begonnen und bereits am 26. Juli 1899 wurde die Kapelle wieder geweiht." Der Turm hatte vor dem Brand einen Zwiebeldach mit einem Glockenhaus. Die Kapelle der Schmerzensreichen Muttergottes verfügte über einen Altar, in einem reich geschmückten Barockrahmen mit zwei Engeln und seit 1902 auch über eine Orgel. Alljährlich wurden hier Wallfahrten und so genannte "goldene Samstage" veranstaltet, bei denen eine Messe gelesen wurde. Der Kreuzweg zum Wallfahrtsort in Studenec führt von der Weißen Brücke in Rožmberk durch den Wald auf einer steinernen Treppe bis zur Kapelle. Zwei Stationen tragen die Jahreszahl 1777 und Initialen der Spender. Im Jahr 1869 ließ Graf Georg Johann Heinrich Buquoy "den Kreuzweg neu bauen. Die ersten zwei Stationen wurden vom Maler Ströbl gemalt, der auch die Bilder in der Kreuzrittergalerie auf der Burg Rožmberk schuf." Nach dem Jahr 1948 wurde die Kapelle mehrmals ausgeraubt und die meisten Stationen des Kreuzwegs wurden umgestürzt. Zur Zeit setzt die Bürgervereinigung "Za starý Rožmberk" (Für das alte Rožmberk) gemeinsam mit der Gemeinde den Kreuzweg sowie die Kapelle instand und es besteht eine reale Hoffnung auf die Wiederweihe dieses ältesten Kreuzwegs in der Region Vyšší Brod.

(fs)

Weitere Informationen:
Geschichte der Region Vyšší Brod
Wallfahrten und Wallfahrtsorte in der Region Český Krumlov
Der Kreuzweg in Vyšší Brod Kreuzweg in Frymburk
Frymburk